Archiv für das Themengebiet 'Hören.'

Die Poesie von Blue Note. Einfach nur toll.

Ein Beitrag zum Themengebiet Hören., geschrieben am 26. Februar 2018 von Thomas Lasser

Miles Davis hat einmal gesagt „Die weißen Kritiker meiner Musik beachte ich nicht. Es ist, als wollten Europäer chinesische Musik kritisieren. Sie haben davon keine Ahnung. Ich habe gelebt, was ich spiele“. Ich verehre den Mann wie nur wenig andere Jazz-Musiker. Mit der gleichen Achtung lese ich auch das folgende Gedicht aus dem Jahr 1961 von Langston Hughes, einem – natürlich – afroamerikanischen Dichter und Schriftsteller aus Harlem.

Trumpet Player

The Negro
With the trumpet at his lips
Has dark moons of weariness
Beneath his eyes where the smoldering memory of slave ships
Blazed to the crack of whips about thighs

The negro
with the trumpet at his lips
has a head of vibrant hair
tamed down,
patent-leathered now  until it gleams
like jet were jet a crown the music

from the trumpet at his lips
is honey mixed with liquid fire
the rhythm from the trumpet at his lips
is ecstasy  distilled from old desire
Desire that is longing for the moon
where the moonlight’s but a spotlight in his eyes,
desire that is longing for the sea
where the sea’s a bar-glass sucker size

The Negro
with the trumpet at his lips
whose jacket
Has a fine one-button roll, does not know
upon what riff the music slips
It’s hypodermic needle to his soul
but softly as the tune comes from his throat
trouble  mellows to a golden note

(Langston Hughes)

Walk On The Wildside: Kannste mal die Seite wechseln?

Ein Beitrag zum Themengebiet Essen., Hören., Trinken., geschrieben am 30. Januar 2018 von Thomas Lasser

Wer Rock´n´Roll im Restaurant will, schreckt vor neuen Kompositionen nie zurück. Hier kommt die neue Platte der Band Schindler / Elbert

Holly came from Miami F. L. A. Hitch-hiked her way across the U.S.A. Plucked her eyebrows on the way. Shaved her legs and then he was a she. She said, hey babe, take a walk on the wild side. Said, hey honey, take a walk on the wild side … Früher war alles nicht unbedingt besser, die Texte vieler Songs für die Ewigkeit aber expliziter. Wer heute noch einen Spaziergang auf der wilden Seite machen will, der kommt in Hannover bei Verena Schindler und Christoph Elbert vorbei. Um richtig gut zu essen und ausgesucht zu trinken. Ihre Läden in der Stadt leben von der unerschöpflichen Energie dieser Frau, der schieren Wucht dieses Mannes, ihrer immer prachtvollen Ideen und der Motivation der gesamten Mannschaft. 11A, Ihmerauschen (Wein!), Boca (Gin!) oder Plümecke (Bier!). Es ist echt „scheißegal“ wohin man geht, das wird garantiert ein cooles Ding, bei dem man hier und da auch mal fassungslos den Kopf schüttelt aber immer doch ausgesprochen zufrieden nach Hause kommt. Auf weniger Wichtiges – Damast, Kreditkarten, Grand Crus – wird überall bewusst verzichtet, auf mehr Entscheidendes – Produkt, Ambiente, Preis – dafür umso mehr geachtet.

Zu diesem kleinen Imperium gehört seit Ende Oktober nun auch das Walk On The Wildside (Cocktails!) in den Räumen der ehemaligen Fußballkneipe Linden Journal. Die befinden sich auf der anderen Straßenseite vom 11A. Gegenüber blieb im Raum kaum ein Detail beim anderen, der Laden wurde, typisch für die beiden Chefs, individuell inszeniert und mit unterschiedlichen Stücken ganz schön aufgemöbelt. Jeden Donnerstag, Freitag und Sonnabend werden jetzt hier ab 19 Uhr „elegante Cocktails“ mit „hochwertigen Zutaten“ vom Chef Elbert selbst oder von Henrike Hollander serviert. Die Karte wechselt wöchentlich, da ist wirklich jede Menge Trinkspaß garantiert.

Der ultimative Reiz des neuen Ladens ist für mich das in Hannover in dieser Form einzigartige „Private Dining“-Konzept. Für acht bis zwölf Personen tischt man dann an einem langen Tisch im hinteren Teil der Bar nach Absprache aus der eigenen Küche alles Mögliche auf. Bock auf ein bestimmtes kulinarisches Thema? Lust auf die Küche eines exotischen Landes? Die frischen Produkte der laufenden Saison? Eine ganze spezielle Kochtechnik? Oder einmal einen ganzen Fisch? Bis auf das sprichwörtliche halbe Schwein auf Toast macht Christoph Elbert wahrscheinlich alles möglich. In vier bis sechs Gängen mit passenden Getränken wird im Walk On The Wildside also jeder Wunsch wahr. Hier macht sich der Chef bewusst aber mit Lust von allen Dingen frei, kocht wie er und seine Gäste es mögen.

Ganz im Sinne von Lou Reed, der immer fand, dass seine eigene Musik digital „scheiße“ klingt, steht im Walk On The Wildside in der DJ-Kabine übrigens ein (!) Plattenspieler. Dazu die Vinyl-Sammlung des verstorbenen Hannover Concerts-Chef Wolfgang Besemer. Tausend Scheiben, auf denen sicher so manche klassische Perle zu finden ist. Mit dem Laden insgesamt hat Hannover nun ein neues Glanzstück mehr.

Hinter jedem Film steht ein großer Komponist.

Ein Beitrag zum Themengebiet Hören., geschrieben am 4. Januar 2018 von Thomas Lasser

Für immer und ewig … Aretha!

Ein Beitrag zum Themengebiet Hören., Leben., geschrieben am 26. Oktober 2017 von Thomas Lasser

Als Dionne Warwick im Oktober 1967 »I Say a Little Prayer« als Single rausbrachte, stieg der Song, geschrieben von Burt Bacharach und Hal David, bis auf Platz vier in den U.S.-Charts. Nur knapp ein halbes Jahr später, und damit heute undenkbar, ging Aretha Franklin ins Studio und nahm eine Coverversion davon auf, die mein Song für die Ewigkeit wurde. Diese Interpretation mit dem treibenden Pianointro von Clayton Ivey und ihrem einfühlsamen und signifikanten Timbre erschien im Frühjahr 1968 und war in den Charts nicht ganz so erfolgreich wie die »Ur-Version«, ist dafür aber heute ein echter Klassiker. Mich packte der Song irgendwann in den späten 70er-Jahren und hat mich danach nie wieder losgelassen.

Ich erinnere mich an endlose Nachmittage vor dem Radiorekorder in meinem Kinderzimmer in Hannover-Bothfeld, wo ich »I Say a Little Prayer« auf einer Seite einer »C90« Musikkassette (!) ungefähr fünfzehn Mal hintereinander kopierte um mir das ewige Spulen zu ersparen. Verbinde mit der wundervollen ersten Textzeile »The moment I wake up …« den Jahrhundertsommer 2003 mit langen Roadstertouren durch die ganze Region und endlosen Sommernächten auf der Dachterrasse mit Sauvignon Blanc. Und als ich für eine Weihnachtsfeier 2015 eine Playlist mit meinen zehn besten Songs aller Zeiten zusammenstellen sollte, musste ich zumindest über die Nr. 1 nicht lange nachdenken. Der Rest war aber echte harte Arbeit.

In diesem Lied kommt alles zusammen, was zu einem großen Song gehört. Zwei der besten Komponisten aller Zeiten, erst recht in den 60er-Jahren. Die vom Magazin »Rolling Stone« zur »Besten Sängerin« gekürte Aretha Franklin. Eine unüberhörbar dichte Atmosphäre im Studio mit exzellenten Musikern und den Background-Sängerinnen der »Sweet Inspirations«. Ich freue mich schon heute auf den Tag, an dem mein Sohn dieses Lied entdeckt. Vielleicht fesselt ihn der Soul, das Tempo und der Text auch so wie vor fast 40 Jahren mich.

Jazz for a new Generation. Robert Glasper.

Ein Beitrag zum Themengebiet Hören., geschrieben am 15. März 2017 von Thomas Lasser

Was ist Jazz?

Ein Beitrag zum Themengebiet Hören., geschrieben am 24. Januar 2017 von Thomas Lasser

Wenn der Solist nicht die völlige Freiheit hat,
hört es auf, Jazz zu sein.
Jazz ist wahrscheinlich die einzige heute existierende Kunstform,
in der es die Freiheit des Individuums
ohne den Verlust des Zusammengehörigkeitsgefühls gibt.
(Dave Brubeck)

Photo of Dave BRUBECK

Miles Davis. Zum 15. Todestag. Für immer ein Genie.

Ein Beitrag zum Themengebiet Hören., geschrieben am 28. September 2016 von Thomas Lasser

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Da kommt fast alles zusammen, was ich wirklich gut finde.

Ein Beitrag zum Themengebiet Hören., geschrieben am 26. Mai 2016 von Thomas Lasser

Auf die letzte Rille. Oder: Ich liebe Vinyl.

Ein Beitrag zum Themengebiet Hören., geschrieben am 16. Dezember 2015 von Thomas Lasser

Tonträger sind irgendwie egal geworden, aus sorgsamen Sammlungen werden Datenschnipsel. Wohin mit der Musikliebe? Darüber schrieb neulich Max Scharnigg auf sueddeutsche.de. Und zwar so schön, dass ich dem nichts hinzuzufügen habe. 

Die Band Phoenix hat eine Weihnachtssingle veröffentlicht. Zusammen mit Bill Murray und für einen guten Zweck. Eigentlich ein ziemlich perfektes Geschenk. Diese Single ist entweder als 7-Inch oder als Download zu erwerben. Irgendwie also doch kein so perfektes Geschenk mehr. Das eine Format ist zu speziell, das andere zu banal. Aber so wird Ende 2015 offenbar Musik vertrieben als Uralt-Vinyl oder Datenhaufen. Und irgendwo zwischen diesen beiden Extremen ist in den letzten fünf Jahren meine Plattensammlung verschwunden.

1990: CDs waren eine Botschaft direkt aus der Zukunft

Den Anfang machte eine wuchtige Kompaktanlage mit CD-Player am zehnten Geburtstag. Es war das Jahr 1990, CDs waren eine Botschaft direkt aus der Zukunft. Laser. Das irisierende Funkeln der Scheiben. Die Digitalzahlen. Keine Frage: Ich war im Besitz von Premiumtechnologie. Es gab auch zwei CDs dazu, Scorpions und eine obskure Tote-Hosen-B-Single. Ich schob die Erich-Kästner-Kassetten zur Seite. Platz für Scorpions und die Zukunft.

In den nächsten 15 Jahren kamen zu den zwei CDs etliche Tausend Stück dazu. Jede einzelne Platte war ein Stück von einem wunderbaren Puzzle, das niemals fertig war. Ich kaufte eine, und wenn ich sie gehört hatte, wusste ich, dass mir fünf fehlten. Zum Glück gab es so viel davon und zum Glück gab es keine Frage, wie Musik dargereicht werden sollte: Innerhalb von wenigen Jahren hatte sich die ganze Welt auf ein Format geeinigt, niemand diskutierte über den Träger, sondern über das, was er trug – die Musik.

Es hätte immer so weitergehen können

Und wenn die CD das Pferd war, war die Kassette der alte Esel. Das gutmütige Lasttier, mit dem man nach einem beherzten Tastendruck aufnehmen konnte, was im Radio lief. Und weltbeste Mixtapes anfertigen, die jeden Besitzer einer hoffnungsvollen Plattensammlung in die Lage versetzten, Mädchenherzen anzuweichen. CD und Kassette waren ein gutes Team. Ich und die Musik waren ein gutes Team. Es hätte immer so weitergehen können.

Platten sammeln macht glücklich. So wie jede Sammelleidenschaft, die nie an ein logisches Ende stößt. Ziemlich bald spürt der Sammler die Gegenwart seiner Sammlung als etwas viel Größeres als er selbst. Er begreift sich ab dann nur noch als Pförtner einer Welt. Sieht man sich die Porträts der großen Plattensammler im Mammutwerk „Dust & Grooves“ (erschienen bei Eden) an, steht ihnen allen das gleiche, leicht desperate Glück ins Gesicht geschrieben. Niemals genug und immer in Sorge. Alle in der Gewissheit, dass ihr eigenes Schicksal untrennbar mit den Regalen in ihrem Rücken verknüpft ist.

Das ist vielleicht der Unterschied zu anderen Sammlungen. Neben dem haptischen Anhäufen von Zeug gibt es hier eben die Musik selbst, deren Töne mit jeder Lebensminute verknüpft sind. Es müsste immer Musik sein, lautet eine alte Popforderung. Sammler arbeiten seriös daran.

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Aus dem Album »Nachtfahrten«. Passt. Wunderschön.

Ein Beitrag zum Themengebiet Hören., geschrieben am 28. Oktober 2015 von Thomas Lasser


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