Geschenkt.

Sozusagen auf Knopfdruck … Kaum werden draußen Schmalzkuchen gebacken, redet man drinnen bei uns über Geschenke. Ich erinnerne mit breitem Grinsen und etwas Grausen an die vergangenen Jahre.

Alle Jahre wieder. Wer bekommt da nicht gerne etwas geschenkt? Besonders von mir, der seinen Liebsten schon immer etwas Großartiges unter den Weihnachtsbaum packen möchte. Aber: Aus langjähriger Erfahrung kann ich mit Sicherheit sagen, dass man da auch viel falsch machen kann. Schon minimal andere Vorstellungen beim Beschenkten können das ganze Fest ruinieren.

Theo war gerade sechs und wünschte sich nichts sehnlicher als eine Autorennbahn. Ich hielt ihn noch für zu jung, aber seine Mutter war Feuer und Flamme für seinen Wunsch. Ich irgendwann auch, sah ich uns doch schon Heiligabend auf dem Teppich das Ding zusammenzubauen und gegeneinander antreten. Also zog ich los und besorgte die beste Bahn, die man damals kaufen konnte. Was jedoch zu großer Enttäuschung führte, denn: Kein Looping auf der Strecke! Das Rennwochenende fiel erst mal aus. Geschenkt.

Tanja begeistert sich für Mode. Ich mich aber auch. Und so habe ich Spaß daran, ihr zu besonderen Anlässen ein außergewöhnliches Outfit zu schenken. Ich lass mich durch die Shops treiben und inspirieren. Bei Gefallen schlage ich begeistert zu. Leider wird diese Begeisterung nicht immer geteilt. Da kann es schon mal sein, dass ein Blau nicht das richtige ist. Ein Pullover »da« irgendwie unvorteilhaft sitzt. Oder ein Stoff hässliche Falten wie in den 90ern wirft. Verwundert tausche ich dann um. Geschenkt.

Mein Vater hingegen ist ein alter »Haudegen« und hat in seinem Leben so manche Herausforderung meistern müssen. Jahrgang 1935, alles klar? In den letzten Jahren ist er ruhiger und genügsamer geworden, wenn man ihn fragt, was er sich wünscht, ist die Antwort immer »Nix!«. Jetzt könnte man glauben, dass dann jedes Geschenk, was man ihm natürlich trotzdem macht, gut ankommt. Weit gefehlt. Hier kann ein Tonträger mit der Einspielung seiner Lieblingssinfonie auch mal zu progressiv sein. Tja. Geschenkt.

Und ich so? Beschenke mich gerne mal selbst. Dann kann ich sicher sein, dass alles passt. Im wahrsten Sinne. Der Anlass muss gar nicht immer Weihnachten sein. Kommt zwar immer ganz plötzlich, aber leider zu selten im Jahr. Darum heißt es bei mir auch gerne schon im Februar … schnell mal geschenkt!

(Dieser Text erschien im Winter 2023 in »Lebe«, dem Mitgliedermagazin von Spar + Bau Hannover.)

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