Archiv für das Themengebiet 'Anmerken.'

Stiller`s. Greta.

Ein Beitrag zum Themengebiet Anmerken., geschrieben am 6. Mai 2020 von Thomas Lasser

Die Kurzform von Margareta kommt aus dem altgriechischen und bedeutet »die Perle«. Mal gucken, ob das auch für ein Restaurant in Barsinghausen gilt.

Okay, ich gebe es zu: Die Überschrift ist der billigste und schändlichste Trick aller Zeiten, um zum Lesen dieses Textes zu animieren. Aber mir fiel aber nach über einem Jahr »Skolstrejk för Klimatet«, klimaneutraler Atlantiküberquerung und »How dare you …« nichts Besseres ein, womit ich Aufmerksamkeit für die Besprechung eines Restaurants vor den Toren Hannovers, am Fuße der Bantorfer Höhe, erzielen kann. Greta, nur ein Name, aber nur der reicht ja heute schon aus, um ganze Bevölkerungsschichten oder soziale Kanäle zu bewegen. Auch nach Barsinghausen?

Das moderne Leben ist laut, und damit sind wir auch schon beim Thema, also beim Stiller`s. Wer mich ab und an liest, der weiß, dass ich mit essen gehen in der Region, viel mehr mit trinken fahren, so meine Probleme habe, denn man muss ja immer noch nach Hannover zurück. Mit Wein in polizeilich unbedenklicher Menge habe ich in guten Restaurants, die weit vor den Toren der Stadt liegen und in denen ich mehr als nur eine Vorspeise essen möchte, wenig Spaß. Im diffusen Schein der Parkplatzbeleuchtung gehe ich also zum Restaurant und bin erst einmal überrascht. Das einladende Entree des Stillers`s liegt neben einer typischen Tennishalle aus den 70er Jahren. Ich schlage trotzdem neugierig auf. Das Ambiente punktet sofort. Eine tolle Atmosphäre, moderne Deko und ausgesprochen schöne Kunst machen Appetit auf genussvolle Momente. Der Satz geht schon mal an die Macher.

»Großes Tennis«, und damit auch genug mit diesen sportlichen Links, schon beim Brotbrett. Ofenfrisches Ciabatta und Weißbrot mit Kürbisschmalz, passend zur Saison. Prima. Und so geht es weiter. Die Küche grüßt mit Entensate auf grünem Spargel, ich grüße freundlich zurück. Die Abendkarte ist überschaubar, das ist gut, und sie ist zeitgemäß geschrieben. Keine »Trilogien« mehr, da steht nichts im »Dialog« miteinander. Man nennt die Zutaten und hofft, der Gast ist gespannt, was diese nun miteinander anstellen. Los geht es mit einen Thunfischtatar auf Avocadostückchen. Das dank des Wasabis und des Ingwers an seiner Seite mich an meine Liebe zu Sushi erinnert. Moshi Moshi. Vor dem Hauptgang platziere ich eine kleine Portion Taglioni mit Trüffeln. Das geht immer und ist auch hier ein echter Genuss. Grazie. Ich setzte meine kulinarische Weltreise fort und lande beim Hauptgang in Frankreich. Coq au vin ist angesagt, der, so sagt es mir der Service, sechs Tage in Rotwein auf seine Zubereitung gewartet hat. Wie ein Gott in Frankreich. Der Hahn, oder das Huhn, ich weiß es nicht, wird klassisch von Kartoffelpüree und knackig von Gemüse flankiert. C´est bon. Dazu trinke ich ein Glas kräftigen Primitivo im Offenausschank, der sich durchaus mit dem Wein, in dem das Geflügel lag, versteht. Also alles gut im Stiller`s. Bis auf diese Sache mit dem bekloppten Apostroph.

(Dieser Artikel erschien in »Hannover geht aus«, Ausgabe Winter 2019. Jetzt am Kiosk! Ich fotografiere in den Restaurants grundsätzlich ohne Blitz. Daher die zum Teil maue Ausleuchtung.) 

Jetzt auch hier: Kein Tag ohne … Covid-19.

Ein Beitrag zum Themengebiet Anmerken., geschrieben am 1. April 2020 von Thomas Lasser

Tja. Ich würde das Thema ja sehr gerne ignorieren, geht aber nun mal nicht. Uns hat ein Virus in der Hand. Oder wir haben es am Hals. Egal. Unser Leben ist plötzlich derartig eingeschränkt wie nie zuvor. Die ganze Agentur sitzt im Homeoffive und hält aus allen Ecken der Region den Laden sehr gut am laufen. Respekt und Dank dafür. Klappt wirklich alles reibungslos. Und ich habe dann mal den passenden Blogbeitrag zur Ausnahmesituation geschrieben. Der vielleicht ein bisschen Hoffnung gibt. Man beachte die Überschrift des Textes …

Foto von Unsplash.

Gewisse Fragen. Ans Gewissen.

Ein Beitrag zum Themengebiet Anmerken., geschrieben am 10. März 2020 von Thomas Lasser

Ach Leute, die Zeiten waren auch schon mal besser. Aber natürlich auch schon mal sehr viel schlechter. Ich möchte nicht, dass wieder 1947 ist … Auch möchte ich heute nicht im türkisch-griechischen Grenzgebiet leben müssen, von Syrien mal ganz abgesehen, da erscheinen mir unsere aktuellen Sorgen rum um »Corona« als geradezu harmlos. Trotzdem haben wir sie natürlich, die »First World Problems«. In meinem neuesten Blogbeitrag auf look-one.de habe ich mich mal gefragt, was man heute guten Gewissens noch gucken, hören, fahren oder anziehen darf.

Foto von Unsplash.

So schmeckt mir Frühling …

Ein Beitrag zum Themengebiet Anmerken., Essen., geschrieben am 29. März 2019 von Thomas Lasser

»Ja, Virginia, es gibt einen Weihnachtsmann.«

Ein Beitrag zum Themengebiet Anmerken., Erinnern., Leben., geschrieben am 24. Dezember 2018 von Thomas Lasser

1897 schrieb eine achtjährige der Zeitung New York Sun. Ihr Anliegen war so dringend, dass der Chefredakteur persönlich den Kolumnisten Francis P. Church beauftragte, eine Antwort zu entwerfen – für die Titelseite. Der Text wurde so berühmt, dass er Jahr für Jahr aufs Neue erscheint.

„Ich bin  acht Jahre alt. Einige meiner Freunde sagen, es gibt keinen Weihnachtsmann. Papa sagt, was in der Sun steht, ist immer wahr. Bitte sagen Sie mir: Gibt es einen Weihnachtsmann?“ Virginia O´Hanlon 

„Virginia, Deine kleinen Freunde haben nicht recht. Sie sind angekränkelt vom Skeptizismus eines skeptischen Zeitalters. Sie glauben nur, was sie sehen: Sie glauben, dass es nicht geben kann, was sie mit ihrem kleinen Geist nicht erfassen können. Aller Menschengeist ist klein, Virginia, ob er nun einem Erwachsenen oder einem Kind gehört. Im Weltall verliert er sich wie ein winziges Insekt. Solcher Ameisenverstand reicht nicht aus, die ganze Wahrheit zu erfassen und zu begreifen.

Ja, Virginia, es gibt einen Weihnachtsmann. Es gibt ihn so gewiss wie Liebe und die Großzügigkeit und die Treue. Und Du weißt ja, dass es all das gibt, und deshalb kann unser Leben schön und heizer sein. Wie dunkel wäre die Welt, wenn es keinen Weihnachtsmann gäbe! Sie wäre so dunkel, als gäbe es keine Virginia. Es gäbe keinen Glauben, keine Poesie – gar nichts, was das Leben erst erträglich macht. Ein Flackerrest an sichtbarem Schönen bliebe übrig. Aber das ewige Licht der Kindheit, das die Welt erfüllt, müsste verlöschen.

Es gibt einen Weihnachtsmann, sonst könntest Du auch den Märchen nicht glauben. Gewiss, Du könntest Deinen Papa bitten, er solle an Heiligabend Leute ausschicken, den Weihnachtsmann zu fangen. Und keiner von ihnen bekäme den Weihnachtsmann zu Gesicht – was würde das beweisen? Kein Mensch sieht ihn einfach so. Das beweist gar nichts. Die wichtigsten Dinge bleiben meistens Kindern und Erwachsenen unsichtbar. Die Elfen zum Beispiel, wenn sie auf Mondwiesen tanzen. Trotzdem gibt es sie. All die Wunder zu denken – geschweige denn zu sehen -, das vermag nicht der Klügste auf der Welt.

Was Du auch siehst, Du siehst nie alles. Du kannst ein Kaleidoskop aufbrechen und nach den schönen Farbfiguren suchen. Du wirst einige bunte Scherben finden, nichts weiter. Warum? Weil es einen Schleier gibt, der die wahre Welt verhüllt., einen Schleier, den nicht einmal die größte Gewalt der Welt zerreißen kann. Nur Glaube und Poesie und Liebe können ihn lüften. Dann werden die Schönheit und Herrlichkeit dahinter auf einmal zu erkennen sein. „Ist das auch wahr?“, kannst Du fragen. Virginia, nichts auf der ganzen Welt ist wahrer und nichts beständiger. Der Weihnachtsmann lebt, und ewig wird er leben. Sogar in zehnmal zehntausend Jahren wird er da sein, um Kinder wie Dich und jedes offene Herz mit Freude zu erfüllen.“

Frohe Weihnacht, Virginia! Dein Francis Chrurch

Städte in Angst. Chemnitz. Bitterfeld. Freital.

Ein Beitrag zum Themengebiet Anmerken., geschrieben am 24. September 2018 von Thomas Lasser

Dieses Weblog ist eigentlich nicht politisch. Texte, die ich hier veröffentliche, sollen vor allem Spaß machen. Das Problem ist nur: Mir macht Vieles, was gerade in Deutschland passiert, von der restlichen Welt ganz zu Schweigen, überhaupt keinen Spaß. Was, bitte, ist eigentlich los in unserem Land, das ich für eines der besten in der Welt halte um dort zu leben? Wieso mancherorts so viel Hysterie, Hetze, Hass, Gewalt und … tja … Vergesslichkeit?

Ja, es sind in den letzten drei Jahren sehr viele Geflüchtete in unser Land gekommen. Die allerallermeisten davon sind vor Krieg, Verfolgung, Folter, Hunger und Vergewaltigung geflohen. Es ist unsere Pflicht diesen Menschen zu helfen. Nicht aufgrund unserer eigenen Geschichte, sondern, weil wir tun müssen, was man kann. Und ja, es sind auch Menschen dabei, die einfach nur keine Lust mehr auf Armut haben, endlich ein Ikea-Sofa und einen Flatscreen wollen und besonders trickreich unser Sozialsystem ausnutzen.

Letzteres ist ganz schlecht und führt mich zum ersten großen Problem in Deutschland: Wir haben das über Jahre kommen sehen, zum Teil selbst verschuldet, und nichts getan. Das ein Land wie Deutschland weder über ein Einwanderungsgesetz noch über eine Infrastruktur verfügt, um den aktuellen Herausforderungen zu begegnen und kriminelle Einwanderer nicht schnell identifiziert, einsperrt oder abschiebt, ist schlimm. Keine Frage. »Wir schaffen das« und die damit einhergehende Aufnahme von Menschen war richtig. Nur hat »der Staat« danach leider stellenweise versagt und nicht die richtigen Mittel und Maßnahmen ergriffen um daraus »Wir schaffen das ordentlich« zu machen. Es kann nicht sein, dass man hier ohne Pass einreisen, aber nicht mehr abgeschoben werden kann. Es darf nicht sein, dass als kriminell identifizierte Leute unser Land nicht sofort verlassen müssen. Das schlimme daran: Das würden wir allein logistisch gar nicht schaffen …

Zweites großes Problem: Ostdeutschland, eher frei von Migranten, fühlt sich offensichtlich besonders bedroht, was ja eine eher gefühlte, als eine tatsächliche Bedrohung sein kann. Es ist praktisch nach der Übernahme der DDR durch die BRD die zweite gefühlte »Übernahme«, jetzt durch das Fremde. Das ist natürlich Quatsch. Die Angst ist aber offensichtlich da. »Die kriegen alles, für uns bleibt nichts!« Wie viel Billionen € sind seit 1989 in den Aufbau der fünf neuen Länder geflossen? Eben. Dabei hat sich die Lebensqualität Vieler verbessert, die Renten steigen, zum Teil sogar höher als im Westen, die Arbeitslosigkeit war selten geringer.

Drittes Problem: Die Wirtschaft in Deutschland boomt wie selten, die Konzerne verdienen Geld wie nie. Nur kommt das bei den Menschen, jetzt in Ost und West, nicht mehr an. Unser Staat, seit je her allergisch gegen Eingriffe in den Markt, hat es hinbekommen, das aus der Sozialen Marktwirtschaft eine reine Marktwirtschaft geworden ist. Ich habe gelesen, dass 8 von 10 Hamburgern Angst haben, sich in Zukunft ihre Stadt nicht mehr leisten zu können. Gesellschaftlicher Zündstoff vom Feinsten.

Viertes großes Problem: Die falschen Leute zur passenden Zeit an den brennenden Punkten. Der Film »Stadt in Angst« von John Sturges aus dem Jahr 1955 zeigt auf, wie sich ein Mob bildet. Er spielt 1945 in irgendeiner Kleinstadt im Südwesten der USA. Ein Fremder dringt in ein bis dahin geschlossenes System ein, man hat Angst vor Fragen und Wahrheiten. Die Einheimischen rotten sich zusammen, verbünden sich, schotten sich ab. Sie habe Angst. Im Film soll der Tod eines Japaners im Ort nach dem Angriff auf Pearl Harbour vertuscht werden. Ein Sheriff wird zum Wortführer, wiegelt die unsicheren Bewohner gegen den Fremden auf. Die Lage gerät außer Kontrolle. Den Film haben Björn Höcke & Co. scheinbar gesehen. Das gepaart mit ein paar alten Propagandaideen aus den 30er Jahren … schlimm, dass das offensichtlich immer noch funktioniert. Denk ich an Deutschland in der Nacht … Ich weiß nicht, wie das weitergehen soll.

Die Stoffe, aus denen meine Albträume sind.

Ein Beitrag zum Themengebiet Anmerken., Leben., geschrieben am 9. Juli 2018 von Thomas Lasser

In wirklich jedem Jahr, also 2018 schon im April, wenn das Thermometer signalisiert »Der Sommer ist da!«, kann man in Deutschland beobachten, wie die Menschen all ihre Hemmungen verlieren und ihre Klamotten gleich mit. Was man dann zu sehen bekommt, ist … sagen wir mal … selten schön. Derweilen ein Italiener wahrscheinlich nie ungestylt zur Müllbox geht, geht ein Deutscher im Jogginganzug ins Restaurant. Unter der Überschrift »Schlabberland« hat Tanja Rest in der Süddeutschen Zeitung am Wochenende einen Text veröffentlich, der mir aus der Seele spricht. Den vollständigen Artikel kann man auch online nachlesen. (Ganz bewusst bebildere ich diesen Post … nicht.)

»Juli 2018, eine Stunde auf der Münchner Leopoldstraße. Früher Abend, 22 Grad. Die Menschen sind in den unterschiedlichsten Lebensumständen unterwegs, vom Büro nach Hause, beim späten Shoppen oder schon in die Bars und Restaurants. Der Standort ist wohlwollend gewählt, da a) nicht Berlin und b) Schwabing, mit seiner Tradition des Schaulaufens. Man hat sich dennoch darauf eingestellt, dass die Lage ernst sein würde. Die Wahrheit ist aber, sie ist hoffnungslos.

Neben den Turnschuh-, Flipflop- und Segeltuchschläppchenträgern liegt die Quote der Lederbeschuhten bei unter 30 Prozent. Bei den Hosen sind neben schlecht sitzenden, weil fast durch die Bank zu engen Jeans vor allem Cargo-Shorts, Track Pants, Dreiviertelhosen mit Tunnelzug und Leggings unterwegs, die man früher im Bett und vielleicht noch zum Bauch-Beine-Po-Kurs angezogen hätte; insgesamt Stretch und Elastan, wohin man blickt. Die Oberteile: T-Shirts, Tank Tops, Hoodies. In erstaunlichen Farben und Mustern und so heillos verzogen, dass auch Bügeln nicht mehr helfen würde (davon abgesehen, dass offenbar keiner mehr bügelt). Von gerade mal 19 Anzügen sitzen vier, über Passform und Qualität der Hemden legen wir den Mantel des Schweigens.

Das Verrückte ist: Jeder, der sich morgens beim Anziehen ein klein wenig Mühe gegeben hat, sticht aus der daherlotternden Masse mühelos heraus. Eine hübsche Brosche, eine liebevoll ausgewählte Bluse, ein ordentlich geschnittenes Sakko oder ein Rock mit interessantem Faltenwurf – mehr braucht es dafür nicht. Ansonsten ist festzuhalten, dass der Stoff im Sommer 2018 sich entweder um den Körper der Deutschen herumdehnt oder ihn zeltartig umflattert und dass sich zwischen dem Körper und der Straße Hartschaumstoffpolster befinden.«

Meinung in Zeiten von Fakes und Likes.

Ein Beitrag zum Themengebiet Anmerken., Leben., geschrieben am 21. März 2018 von Thomas Lasser

Was ich an Magazinen, Zeitungen und dem Internet besonders mag, ist die ja geradezu uneingeschränkte Möglichkeit, sich immer über alle möglichen Themen informieren zu können. Ich mache das sehr gerne und erweitere dadurch meinen Horizont, wenn ich mir sicher bin, dass die Quelle etwas taugt. Bei Blogs und Social Media ist das aber hin und wieder so eine Sache, weiß man doch nie, wer den Kanal betreibt bzw. befeuert. Im Blog der Agentur habe ich mir daher sehr gerne das Resort Meinung gegriffen. Und vor ein paar Tagen mal einen Text über meine Meinung über Meinung geschrieben.

(Foto von unsplash.com)

Mein Manifest zum Thema Online-Shopping.

Ein Beitrag zum Themengebiet Anmerken., Arbeiten., geschrieben am 18. Dezember 2017 von Thomas Lasser

Man kann ja gerade lesen, was man will (SPIEGEL, Welt am Sonntag, alle relevanten Fachzeitschriften), überall wird das Thema Handel im Wandel breit diskutiert. Und zwar nicht, was sich die Geschäfte vor Ort alles einfallen lassen, um die Kunden von ihren Läden zu begeistern, sondern wie hilflos mancherorts zugeschaut wird, wenn der Umsatz in digitale Kanäle fliesst. Wer Glück hat, hat das früh erkannt und mischt mit. Wer geglaubt hat, dieses Internet, das geht schon wieder weg, der sieht zunehmend alt aus. Für den Blog der Agentur habe ich mir zum Ende des Weihnachtsgeschäfts zum Thema Online-Shopping ein paar Gedanken gemacht. Durchaus kritisch. Kann man hier nachlesen. Den Euro zweimal umzudrehen, bevor man ihn ausgibt, ist ja eigentlich blöd. Lieber zweimal dran denken, ob digital oder stationär, würde ich heute sagen.

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(Fotos: Pexels.com)

Das Dilemma vieler Print-Journalisten.

Ein Beitrag zum Themengebiet Anmerken., geschrieben am 23. Juni 2016 von Thomas Lasser

Die von mit sehr geschätzte Journalistin Susanne Gaschke schrieb neulich in der Welt am Sonntag über die Hybris ihrer Kollegen und solcher, die sich dafür halten. Denn: Medien sind in der Bevölkerung mittlerweile ebenso unbeliebt wie viele Politiker. Buzzword Lügenpresse. Fatal, wenn man selber meint, eigentlich Qualitätsmedien zu konsumieren und sich einen großen Teil seiner Meinung mit ihrer Hilfe bildet. Wie konnte es bloss so weit kommen? Eine Spurensuche …

„Die Medien sind ja die vierte Gewalt“, soll ein ehemaliger Chefredakteur der „Berliner Zeitung“ einmal gescherzt haben, „aber was sind noch mal die anderen drei?“ Der „Spiegel“ vergleicht Journalisten in einem Artikel aus diesem Frühjahr mit den demokratisch gewählten Abgeordneten der Parlamente: „Wenn man so will, sind auch die Medien in Deutschland repräsentativ. Journalisten haben es zu ihrem Beruf gemacht, die Nachrichten zu gewichten und zu entscheiden, was wichtig und was nicht so wichtig ist“, schreiben die Autoren – und stellen ihren Lesern gleich noch die „Vertrauensfrage“.

Ein Mitglied der „Zeit“-Chefredaktion sagt in einem Jubiläumsinterview zum 70. Geburtstag der Wochenzeitung, wenn auch mit einem relativierenden Nachsatz: „Wir Journalisten haben eine Muezzin-Position.“

Diese drei Selbsteinschätzungen sprechen, vorsichtig ausgedrückt, nicht eben für ein mangelndes Selbstbewusstsein des Berufsstandes. Drei der vier Gewalten werden kontrolliert, von Wählern, von übergeordneten Instanzen, von der Presse. Wer aber kontrolliert die „vierte Gewalt“? Parlamentsabgeordnete werden gewählt und beziehen daraus ihre Legitimation. Wer legitimiert die Medien? Und wozu genau? Unter welchen Umständen müssen sie zurücktreten? Schließlich: Muezzin und kritisches Instrument der Aufklärung? Ernsthaft?

Schirrmacher sah „journalistisches Übermenschentum“

Hier sei die These gewagt, dass die Haltung, die in den zitierten Äußerungen erkennbar wird, in journalistischen Kreisen ziemlich verbreitet ist. Der frühere „FAZ“-Herausgeber Frank Schirrmacher hatte dafür kurz vor seinem Tod eine harte Formulierung gefunden: Er nannte sie „journalistisches Übermenschentum“.

Es ist zumindest denkbar, dass journalistisches Übermenschentum das Publikum sowohl politik- als auch medienverdrossen macht. Dass es also im Ergebnis schlecht für Verlagshäuser ist. Schlecht für Rundfunk- und Fernsehanstalten. Vor allem aber schlecht für die Demokratie.

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