Archiv für das Themengebiet 'Anmerken.'

»Ja, Virginia, es gibt einen Weihnachtsmann.«

Ein Beitrag zum Themengebiet Anmerken., Leben., geschrieben am 29. Dezember 2025 von Thomas Lasser

Aus verschieden Gründen poste ich meinen Weihnachtsgruß hier erst jetzt. Sorry. Manchmal kommt einem eben das Leben dazwischen …

1897 schrieb eine achtjährige der Zeitung New York Sun. Ihr Anliegen war so dringend, dass der Chefredakteur persönlich den Kolumnisten Francis P. Church beauftragte, eine Antwort zu entwerfen – für die Titelseite. Der Text wurde so berühmt, dass er Jahr für Jahr aufs Neue erscheint.

„Ich bin  acht Jahre alt. Einige meiner Freunde sagen, es gibt keinen Weihnachtsmann. Papa sagt, was in der Sun steht, ist immer wahr. Bitte sagen Sie mir: Gibt es einen Weihnachtsmann?“ Virginia O´Hanlon 

„Virginia, Deine kleinen Freunde haben nicht recht. Sie sind angekränkelt vom Skeptizismus eines skeptischen Zeitalters. Sie glauben nur, was sie sehen: Sie glauben, dass es nicht geben kann, was sie mit ihrem kleinen Geist nicht erfassen können. Aller Menschengeist ist klein, Virginia, ob er nun einem Erwachsenen oder einem Kind gehört. Im Weltall verliert er sich wie ein winziges Insekt. Solcher Ameisenverstand reicht nicht aus, die ganze Wahrheit zu erfassen und zu begreifen.

Ja, Virginia, es gibt einen Weihnachtsmann. Es gibt ihn so gewiss wie Liebe und die Großzügigkeit und die Treue. Und Du weißt ja, dass es all das gibt, und deshalb kann unser Leben schön und heizer sein. Wie dunkel wäre die Welt, wenn es keinen Weihnachtsmann gäbe! Sie wäre so dunkel, als gäbe es keine Virginia. Es gäbe keinen Glauben, keine Poesie – gar nichts, was das Leben erst erträglich macht. Ein Flackerrest an sichtbarem Schönen bliebe übrig. Aber das ewige Licht der Kindheit, das die Welt erfüllt, müsste verlöschen.

Es gibt einen Weihnachtsmann, sonst könntest Du auch den Märchen nicht glauben. Gewiss, Du könntest Deinen Papa bitten, er solle an Heiligabend Leute ausschicken, den Weihnachtsmann zu fangen. Und keiner von ihnen bekäme den Weihnachtsmann zu Gesicht – was würde das beweisen? Kein Mensch sieht ihn einfach so. Das beweist gar nichts. Die wichtigsten Dinge bleiben meistens Kindern und Erwachsenen unsichtbar. Die Elfen zum Beispiel, wenn sie auf Mondwiesen tanzen. Trotzdem gibt es sie. All die Wunder zu denken – geschweige denn zu sehen -, das vermag nicht der Klügste auf der Welt.

Was Du auch siehst, Du siehst nie alles. Du kannst ein Kaleidoskop aufbrechen und nach den schönen Farbfiguren suchen. Du wirst einige bunte Scherben finden, nichts weiter. Warum? Weil es einen Schleier gibt, der die wahre Welt verhüllt., einen Schleier, den nicht einmal die größte Gewalt der Welt zerreißen kann. Nur Glaube und Poesie und Liebe können ihn lüften. Dann werden die Schönheit und Herrlichkeit dahinter auf einmal zu erkennen sein. „Ist das auch wahr?“, kannst Du fragen. Virginia, nichts auf der ganzen Welt ist wahrer und nichts beständiger. Der Weihnachtsmann lebt, und ewig wird er leben. Sogar in zehnmal zehntausend Jahren wird er da sein, um Kinder wie Dich und jedes offene Herz mit Freude zu erfüllen.“

Frohe Weihnacht, Virginia!
Dein Francis Chrurch

Kultur? Gut

Ein Beitrag zum Themengebiet Anmerken., geschrieben am 28. November 2025 von Thomas Lasser

Solange ich denken kann gehört Literatur zu meinem Alltag. Mal in Form von Büchern, mal als Teil meiner Arbeit. Kann ich Theo dafür auch begeistern?

Ich war so stolz. 1978 habe ich den Vorlesewettbewerb an meiner Schule gewonnen. Mit einer sehr launigen Geschichte von David Henry Wilson. »Jeremy James oder Elefanten sitzen nicht auf Autos«. Erst neulich hatte ich das Taschenbuch wieder in der Hand und fand es … immer noch sehr lustig. Auch danach habe ich immer viel gelesen. Die Bücher wurden dicker und die Inhalte anspruchsvoller. Manchmal quälte ich mich mehr oder weniger durch den einen oder anderen Dostojewski. Oder verschlang in wenigen Stunden die vielen großartigen Geschichten von Hemingway. Nur einmal musste ich wirklich passen und hatte auf ein Buch keine Lust mehr. »Unendlicher Spaß« von David Foster Wallace machte mir überhaupt keinen Spaß und landete nach wenigen Stunden wieder im Regal.

In den 90er-Jahren hatte ich dann das Glück, für eine ziemlich große Buchhandlung in Hannover arbeiten zu können. Da gab es neuen Lesestoff zwar nicht frei Haus, ich war aber über Jahre ganz nah dran. Entdeckte spannende Autoren und immer wieder Geschichten, die ich ohne meine Arbeit für den Laden sicher niemals gelesen hätte. Toll. Die Liebe zum Buch ist bis heute geblieben. Auch wenn die aus Zeitgründen mittlerweile etwas zu kurz kommt. Und dann ist ja auch noch Netflix da …

Und Theo so? Dem haben wir, als er ganz klein war, immer sehr viel vorgelesen. Oft stundenlang. Irgendwann lernte er das Lesen dann selbst. Und er lernte zu meinem Glück auch Bücher zu lieben. Er verlor anfangs zwar sein Herz an ein Genre, mit dem ich noch nie viel anfangen konnte, Fantasy, entdeckte aber irgendwann auch Harry Potter, klar. So ein Band war dann in einer Woche durch, ich kam oft mit dem Kaufen gar nicht hinterher. Es gibt Schlimmeres, finde ich. Aber jetzt bringt er auch mal ein Buch aus der Schule mit, welches er für den Unterricht lesen soll. Das macht natürlich nicht immer Spaß. Mir hat früher eine Geschichte von Kafka, die wir ein halbes Jahr in der Schule behandelt haben, fast die Lust am Lesen verdorben. Ist zum Glück nicht passiert. Denn irgendetwas mit Kultur, das finde ich immer gut. Denk dran, Kumpel.

(Dieser Text erschien im Winter 2025 in »Lebe«, dem Mitgliedermagazin von Spar + Bau Hannover.)

Theo zieht aus.

Ein Beitrag zum Themengebiet Anmerken., geschrieben am 23. September 2025 von Thomas Lasser

Ein 12-jähriges Kind mit starkem Willen im Alltag und eigenen Vorstellungen vom Wohnen. Ein paar Gedanken über das Leben in meinem Zuhause.

Als klar war, wir werden Eltern, gab ich meine heißgeliebte, coole Junggesellenbude in der List in Hannover auf und zog mit Tanja in ein ziemlich konventionelles Stadthaus in einem Neubaugebiet im Osten Hannovers. Was man dann halt so macht: Kleiner Vorgarten, kleine Terrasse, ausreichend Zimmer, Spielplatz um die Ecke und gleichaltrige Kinder zum Toben in der Nachbarschaft. Da war Theo gerade mal ein Jahr alt und konnte natürlich überhaupt noch nicht mitbestimmen, wie er so wohnt.

Das änderte sich allerdings recht schnell. Kaum war der Kerl zu so etwas wie einer eigenen Meinung fähig, ging es los. Das alte Kinderzimmer? Uncool. Ob er nicht ins Dachgeschoß in das eigentliche Gästezimmer mit eigenem Balkon ziehen könnte. Weit ab von den Räumen seiner Eltern natürlich. Der vorhandene Kleiderschrank? Ätzend. Er hätte lieber einen der nicht so viel Raum einnimmt. Damit Platz für ein Aquarium entsteht. Zumindest darüber verhandeln wir noch …

Der neueste Plan ist allerdings, so schnell wie möglich auszuziehen. Denn dort, wo er jetzt wohnt, fehlt es ihm natürlich an so gut wie allem. Kein fetter Flatscreen um eine Spielekonsole anzuschließen. Kein sicheres WLAN um auch noch bis in die Nacht eines der geliebten Hörspiele über den Streamingdienst zu hören. Kein Kühlschrank in der Nähe des Bettes um rund um die Uhr eiskaltes Wasser trinken zu können. Schlimm.

Auf die Frage, wie er das denn finanzieren will, hat Theo auch ganz klare Antworten. Er helfe schließlich beim Turnverein für 5 € in der Woche als Trainer aus. Außerdem bekomme er Taschengeld und hatte gerade erst eine Erhöhung auf 20 € im Monat verhandelt. Das ganze Geld, das wir für Klamotten für ihn ausgeben, könnten wir ihm auch so geben, denn er hätte auf wundersame Weise immer genug im Schrank. Und dann wäre da noch die Kohle, die wir sparen, weil wir für ihn dann keine Lebensmittel mehr kaufen müssten. Auch die könnten wir ihm gleich direkt überweisen. Ah ja. Zum Glück bekommt Theo bald das Fach »Wirtschaft« in der Schule. Mal gucken, wie er das dann alles so sieht. Money makes the world go around.

(Dieser Text erschien im Herbst 2025 in »Lebe«, dem Mitgliedermagazin von Spar + Bau Hannover.)

Kick it …

Ein Beitrag zum Themengebiet Anmerken., Leben., geschrieben am 22. Juli 2025 von Thomas Lasser

… like Beckham? Nö, für Fußball konnte sich Theo noch nie so richtig begeistern. Über die Suche nach dem richtigen Sport für meinen Sohn.

Die aufmerksamen Leser*innen dieser Kolumne werden wissen: Theo macht schon immer Sport. Er ist also fit im weitesten Sinne, aber leider nicht so ausdauernd wie nötig. Hockey? Ein schöner Mannschaftssport, aber leider fehlte ihm das nötige Ballgefühl und ein scharfes Auge für die Dimensionen des Spielfelds. Fußball? Schon nach den ersten Ballannahmen und Querpässen war leider klar, hier läuft kein neuer Toni Kroos auf. Tennis? Passte schon besser und spielte er auch ein paar Saisons, leider kamen aber hier keine echten Beziehungen zu den ständig wechselnden Trainerinnen auf.

Dann also Kickboxen, was er sich wie alle anderen Sportarten ausdrücklich wünschte. Da ich in seinem Alter mehrere Jahre auf der Judomatte verbrachte und es immerhin bis zum blauen Gürtel durchzog war ich guter Hoffnung, dass er einen gewissen Ehrgeiz entwickeln würde und größeres Talent beweist.

Eine passende »Schule« war schnell gefunden, die ersten Termine für ein paar Probetrainings auch. Doch auch hier galt … aller Anfang war schwer. Zu den drei angesetzten Trainings pro Woche schaffte es Theo natürlich nicht. Denn die eigentliche Schule musste auch irgendwie bewältigt werden. Dazu kam, dass es in den Ferien nur ausgesuchte Tage gab, an denen das Dojo geöffnet war. Und wir gerade dann im Urlaub waren. So sammelte er in den ersten Monaten nicht genügend Trainingseinheiten, um zur ersten Gürtelprüfung eingeladen zu werden. Denn es gehört schon Ausdauer und Disziplin dazu, die Trainer davon zu überzeugen, dass man reif für den ersten Schritt zum ersten Gürtel ist.

Doch dann, vor ein paar Tagen, bekam er den ersehnten Zettel mit der Einladung zur Prüfung von seinem Trainer in die Hand gedrückt. Voller Stolz präsentierte er mir das Ding. Und ich freute mich für ihn. Denn die ersten Erfolge gehören zum Sport nun einmal auch dazu. Auch wenn es vielleicht mal etwas länger dauert. Jetzt also gilt`s … kick it … like Theo!

(Dieser Text erschien im Sommer 2025 in »Lebe«, dem Mitgliedermagazin von Spar + Bau Hannover.)

I Love H

Ein Beitrag zum Themengebiet Anmerken., geschrieben am 27. März 2025 von Thomas Lasser

Es gibt Leute, die denken, Hannover sei nur der Parkplatz von Hamburg. Auf gar keinen Fall, denke ich. Ein Manifest für die schönste Stadt der Welt.

Wenn ich nicht Kolumnen wie diese in die Tasten meines Laptops klimpere, dann habe ich es ganz oft mit Menschen zu tun, die frisch nach Hannover gezogen sind. Leider meist widerwillig, aber der Job, den sie hier von einem tollen Unternehmen angeboten bekommen haben, war so verlockend, da spielte die Standortfrage eben erst mal keine Rolle.

Wie bei Ralph, der in Hongkong zur Schule ging, dann in und um Frankfurt arbeitete und den es vor Jahren zu einem der großen Konzerne iIn Hannover verschlug, um den Job seines Lebens zu machen. Natürlich pendelte er die ersten Monate am Wochenende immer wieder »nach Hause«, denn bis auf den Job hatte Hannover ihm nichts zu bieten. Erst als er das Leid war, zogen er und seine Frau in die List. Wo sie allmählich all die schicken Ecken und besonderen Plätze der Stadt entdeckten. Es dauerte keine sechs Wochen, dann wollten sie gar nicht mehr weg.

Oder wie Tanja, mit der ich verheiratet bin. Aufgewachsen in der Region und sofort auf dem Sprung, als sie das Abi in der Tasche hatte. Zu einer Uni, möglichst weit weg von Hannover, in Bayern, weiter weg kann man in Deutschland von Hannover kaum ziehen. Sie blieb amn Ende zehn Jahre im Süden, bis sie so eine Art Heimweh bekam. Und sie feststellen musste, dass München zwar ganz schön, aber eben auch ziemlich teuer, recht anonym und weit weg von der Familie ist.

Und ich so? Ich hatte in meinem Leben mehrfach die Möglichkeit weg zu gehen, bin am Ende aber immer geblieben. Aus echter Überzeugung. Denn es gibt so gut wie nichts in Hannover, was ich nicht mag. Und wenn ich mal etwas anderes sehen will, dann kann ich da ja jederzeit hin. Immer mit der Gewissheit, mich wieder auf zuhause zu freuen. Ein schöneres Kompliment kann ich Hannover gar nicht machen. Bin sehr gespannt, ob Theo meine Heimatliebe auch in seinen Genen trägt. Obwohl er sich bisher kaum »an die Leine« legen lässt.

(Dieser Text erschien im Frühjahr 2025 in »Lebe«, dem Mitgliedermagazin von Spar + Bau Hannover.)

Allein.

Ein Beitrag zum Themengebiet Anmerken., Leben., geschrieben am 28. Februar 2025 von Thomas Lasser

Es macht einen großen Unterschied, ob man allein sein muss oder allein sein möchte, denke ich. Ein paar persönliche Gedanken zum »Klang der Stille«.

Jeder über 40 kennt wahrscheinlich noch den Song von Simon & Garfunkel, »The Sound of Silence«, der ist sogar noch etwas älter als ich und erzählt mit hoher lyrischer Qualität von Stille, der Dunkelheit und vom Alleinsein. Ich konnte das immer gut nachvollziehen, denn ich mag es, wenn mal nichts passiert, es einfach um mich herum still ist und ich meinen Gedanken freien Lauf lassen kann. Für ein Wochenende, ein paar Tage, ist das okay. Besonders, seit ich mit Tanja und Theo zwei Mitbewohner habe, die mich immer auf Trab halten.

Das war auch mal anders. Als ich noch allein wohnte und hin und wieder Single war, war die Kellnerin im Frühstücksladen oft die Einzige, die mit mir am Wochenende sprach. Das war ganz schön gruselig. Deshalb lief bei mir zu Hause ständig Musik, um den »Klang der Stille« etwas zu durchbrechen. Meistens Jazz. Den ich heute nur hören kann, wenn ich allein bin, da die Familie auf andere Sounds steht …

Ich kann mir daher sehr gut vorstellen, wie es jemandem geht, der nicht nur ein paar Tage, wenige Monate, sondern über Jahre allein ist. Eine gute Freundin von mir ist seit Jahren unfreiwillig ohne Partner. Und das macht etwas mit ihr. Sie sieht blendend aus und ist wirklich erfolgreich. Ich bin mir aber sicher, dass sich das für sie irgendwann ändert. Aber wer wie sie nicht mehr mitten im Leben steht, der tut sich mit dem Knüpfen neuer Kontakte vielleicht schwer. Auch wenn es in Hannover eine Reihe toller Angebote für Alleinlebende gibt.

Theo hat das große Glück, dass alle seine Omas und Opas noch leben. Und er besucht sie oft. Sie sind in einem Alter, in dem das auch noch gut geht. Aber seien wir ehrlich: Es kommt der Tag, da wird der eine oder andere von ihnen auch allein sein. So ist nun mal das Leben. Ich finde die Vorstellung fürchterlich und hoffe, dass wir dann denjenigen auffangen können. So gut das eben geht. Und damit die Stille bei ihnen nicht mehr als nötig einzieht.

(Dieser Text erschien im Winter 2024 in »Lebe«, dem Mitgliedermagazin von Spar + Bau Hannover.)

Heute vor 50 Jahren.

Ein Beitrag zum Themengebiet Anmerken., Erinnern., Hören., geschrieben am 24. Januar 2025 von Thomas Lasser

Ende gut. Alles gut.

Ein Beitrag zum Themengebiet Anmerken., geschrieben am 23. Dezember 2024 von Thomas Lasser

„Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die allererste und geschah zur Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war. Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeder in seine Stadt. Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, weil er aus dem Hause und Geschlechte Davids war, damit er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe; die war schwanger. Und als sie dort waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.

Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde. Und der Engel des Herrn trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.“

Euch allen eine schöne Weihnachtswoche mit viel Ruhe und Besinnlichkeit. Und mit Zeit für Eure Lieben. Wir sehen und lesen uns im neuen Jahr. 2025 wird für mit ein aufregendes Jahr mit viel Veränderung im Agenturumfeld und tollen Aussichten auf ein ganz neues Büro. Und zwar an alter Stelle. Ich freue mich darauf.

Rad ab.

Ein Beitrag zum Themengebiet Anmerken., geschrieben am 29. November 2024 von Thomas Lasser

Sich auf den Sattel zu schwingen kostet mich seit jeher eine gewisse Überwindung. Es gibt immer gute Gründe: das schlechte Wetter, die guten Klamotten und natürlich mein mieses Rad.

Meine Fahrräder und ich. Eine lange Geschichte voller Demütigungen, Katastrophen und Missverständnisse … Mein erstes Fahrrad ließ ich als Kind einmal unangeschlossen auf der Lister Meile stehen, um mir am Kiosk schnell eine bunte Tüte zu kaufen. Es wurde sofort geklaut. Mein zweites Bike bekam ich erst Jahre später, ich kaufte es mir von dem Geld, das ich zur Kommunion bekam, ein für damalige Zeiten tolles Teil aus Aluminium, das aber über die Jahre immer schwerer zu bewegen war, da meine Fähigkeiten als Zweiradmechaniker mehr als eingeschränkt sind. Irgendwann landete es auf dem Schrott und ich ging wieder jahrelang zu Fuß. Das dritte Rad kaufte ich aus purer Not heraus um einer Frau zu gefallen die sehr gern Fahrrad fuhr, die mich dann aber trotzdem verließ … ich besitze es bis heute, es ist alles andere als zeitgemäß und mechanisch so simpel, dass ich nach zwei Kilometern dem Kreislaufkollaps nahe bin.

Theo hingegen fährt sehr gerne Rad. Schon immer. Mit ihm wachsende Laufräder führten ihn schnell zum ersten richtigen Fahrrad, er hat mittlerweile sein viertes, natürlich ein cooles Mountainbike, das er furchtlos und rasant auch mal über die Hügel eines Parcours prügelt. Ich bin immer froh, wenn er danach unverletzt und glücklich nach Hause kommt. Nur für den Schulweg, da bevorzugt er dann doch den Bus. So ein Helm ruiniert wirklich jede liebevoll gestylte Föhnfrisur …

Tanja hat zwar ein Auto, würde aber tatsächlich jeden Weg mit dem Fahrrad fahren. Ganz egal zu welcher Jahreszeit und bei welchem Wetter. Ich finde das faszinierend. Denn verschwitzt oder verkühlt zu einem Termin zu kommen, das passt eigentlich gar nicht zu ihr. Trotzdem tritt sie auch für längere Strecken sehr gerne in die Pedale. Ich erinnere mich noch an den Tag, an dem wir aus Hannover zu ihren Eltern in die Region geradelt sind. Gut 25 Kilometer bei schönstem Wetter. Am Ziel war ich so fertig, dass ich eigentlich hätte duschen müssen. Nie wieder mit diesem Rad, habe ich mir damals geschworen. Über zehn Jahre ist das nun her. Neulich fragte sie, ob wir nicht mal wieder zum Grillen zu den Schwiegereltern mit dem Fahrrad fahren wollen. Meine Antwort? »Sag mal, hast du ´nen …?« (siehe Überschrift).

(Dieser Text erschien im Herbst 2024 in »Lebe«, dem Mitgliedermagazin von Spar + Bau Hannover.)

Goldene Musik.

Ein Beitrag zum Themengebiet Anmerken., Hören., Leben., geschrieben am 21. August 2024 von Thomas Lasser

In Sachen Musik gibt es für mich eigentlich nur »All that Jazz«. Das wollte ich auch früh schon meinem Sohn vermitteln. Doch nach gut elf Jahren muss ich mir eingestehen: grandios gescheitert.

Die allererste CD, die ich Theo kurz nach seiner Geburt zum Einschlafen kaufte, war »Hits for Kids – Jazz Lullaby«. Ein Dutzend seichter Jazztracks, die ich leise laufen ließ, wenn Baby-Theo ins Reich der Träume reisen sollte. Hat immer prima geklappt. Das schult sein Gehör und seinen Geschmack, dachte ich. Auch versuchte ich immer wieder die Hintergrundbeschallung Genere-gerecht mit gut zu konsumierenden Kompositionen zu gestalten.

Wenn wir im Auto unterwegs waren, streute ich zwischen Rock und Pop immer wieder ein paar der großen Klassiker ein. Miles Davis, John Coltrane, Bill Evans, Dave Brubeck aber auch frische Sounds von Nils Wülker, Til Brönner, Nighthawks, Esbjörn Svensson Trio. Speziell letzteres hatte es ihm eine Zeit lang sehr angetan. Und ich war sehr aufgeregt. Das Cover des Albums »Tuesday Wonderland«, das man bei mir im Auto im Audiosystem sehen kann, zeigt eine goldig schimmernde Wasseroberfläche. Für Theo ab da nur noch die »Goldene Musik«, von der er gar nicht genug bekommen konnte. Zu meiner großen Freude, denn »e.s.t.« plätschert nicht nur so dahin, sondern verbindet »durchgestalteten Jazz mit Elementen der Popmusik und des Drum and Bass«. Schön gesagt, Wikipedia.

Leider ging die Nachfrage nach diesen Titeln irgendwann rapide zurück. Ich erklärte mir das mit den neuen Kumpels auf dem Pausenhof und dem irgendwann unvermeidlichen Mobiltelefon mit seinen Streaming-Angeboten. Jetzt war in der Clique Chartware angesagt, eben das, was bei den Kids überall läuft. Apache207, Luca Kaminski, Bousa, Louciano. Kannte ich vorher alle nicht. Aber zum Glück auch mal Taylor Swift oder Vincent Weiss, damit konnte ich schon mehr anfangen. Alter Vater eben.

Wenn Theo also aktiv keinen Jazz mehr hört, dann wäre es doch toll, wenn er ein Instrument lernt, das sehr gut dazu passt. Nämlich Saxofon. Das wird in der Schule angeboten und wir einigten uns darauf, das zumindest ein halbes Jahr lang zu versuchen. Schade nur, dass man auch üben muss, wenn man immer besser werden will. Und das war nun leider so gar nicht sein Ding. »Ich wollte Dir nur eine Freude machen … «, kommentierte er den Moment, in dem ich das Instrument zum Verleiher zurückbrachte. »In a Sentimental Mood«, würde Duke Ellington sagen.

(Dieser Text erschien im Sommer 2024 in »Lebe«, dem Mitgliedermagazin von Spar + Bau Hannover.)