Berggasthaus Niedersachsen. Hoch Oliver.

Ein Beitrag zum Themengebiet Essen., geschrieben am 6. Juni 2016 von Thomas Lasser

Auf dem Gehrdener Berg wird seit gut einem halben Jahr neu gekocht. Lohnt sich der Ausflug an den Rand der Region? 

Dinge vor allem deswegen gut zu finden, weil sie von der Mehrheit der Menschen als geschmacklos, doof oder öde angesehen werden, gehört zur traditionellen Haltung der intellektuellen Oberschicht. Das Spektrum reicht da von euphorischem Lob für grauenhafte Songs einer Sängerin aus der Ukraine bis hin zu begeisterter Bekenntnis zu den großartigen Büchern einer Barbara Cartland. Und manchmal kommt in diesem Diskurs eben auch ein Restaurant zur Sprache. Was mir von Leuten schon so alles wärmstens empfohlen wurde, dann aber ein absoluter Reinfall war, würde den Umfang dieses Heftes sprengen.

Und nun also wieder so ein gut gemeinter Tipp. Nach Gehrden müsste ich, ins Berggasthaus Niedersachsen, da kocht seit einem halben Jahr ein Neuer! Familie Jurke, die es über 28 lange Jahre betrieben hatte, hätte sich zur Ruhe gesetzt! Ganz neue Impulse, ehrlich! Okay, der Neue ist ja gar nicht so neu, denn Oliver Gerasch hat zuvor jahrelang im Beckmanns Weinhaus gekocht, dem beliebten Restaurant mit italophiler Note in der Calenberger Neustadt. Also gut, denke ich, und mache, was ich allein wegen der Fahrerei eher selten tue: ich gehe essen in der Region.

Meine Fahrt führt mich vorbei an alten Villen, sehr vorstellig, hinauf auf den Haushügel von Gehrden, den sie hier Berg nennen. Ein traditionelles Gefühl macht sich breit, was auch nach der Ankunft im Berggasthaus nicht verfliegen will. Dafür ist der Service umso frischer. Richtiger Gegenpol, denke ich, und nehme Platz.

Nach den üblichen Speisekartenspielen samt schneller Bestellung meinerseits geht`s los. Und zwar mit dem Amuse Gueule, einer gebratenen Gamba auf Radieschen-Fenchelgemüse und in einer Buttersauce, was in dieser Kombination meinem Gaumen schlagartig wach werden lässt. Sehr ausgewogen. Dann die Vorspeise. Grüner Spargel mit einer Kräutervinaigrette, ebenfalls feinsinnig kombiniert und apart angerichtet. Jetzt bin ich wirklich gespannt, wie es weitergeht. Ausgewählt hatte ich Limonen-Ricotta-Ravioli mit Chicorée. Der Zwischengang ist eine halbe Portion, aber mit der vollen Wucht eines gut gemachten, kreativen Pastagerichtes. Sehr zufrieden lege ich das Besteck beiseite. Beim Hauptgang mal ein Klassiker, denn ich habe Lust auf ein Rinderfilet, und zwar »medium rare«. Die Karte verspicht dazu eine Balsamicoemulsion und grüne Bohnen. Was die Küche dann liefert, könnte perfekter nicht sein. Top Fleischqualität, großartig gebraten und veredelt mit einer geschmacklich runden Sauce zum Niederknien. Unter uns: So gut habe ich bei Oliver Gerasch im Beckmanns nie gegessen …

Und was gab es zu trinken? Wenig, ich muss ja noch fahren. Die Weinkarte ist geprägt von deutschen und italienischen Winzern. Insgesamt eher klein, aber eigentlich ist für jeden etwas dabei. Ein Sauvignon Blanc zur Vorspeise und zum Zwischengericht, ein Barbera zum Rinderfilet, zwei passende Begleiter für einen überraschend guten Abend. Es weht nicht nur ein frischer Wind auf dem Gehrdener Berg, da bahnt sich ein ausgeprägtes Hoch an.

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(Dieser Artikel erschien in »Hannover geht aus«, Ausgabe Sommer 2016. Jetzt am Kiosk! Ich fotografiere in den Restaurants grundsätzlich ohne Blitz. Daher die maue Ausleuchtung.)

Da kommt fast alles zusammen, was ich wirklich gut finde.

Ein Beitrag zum Themengebiet Hören., geschrieben am 26. Mai 2016 von Thomas Lasser

Segways, Pferdekutschen und Bierbikes.

Ein Beitrag zum Themengebiet Leben., geschrieben am 18. Mai 2016 von Thomas Lasser

Hannover ist schön. Aber nur wenige wissen das. Darum bleibt uns auch erspart, was in Berlin Mitte leider üblich ist. Horden von Touristen zum Beispiel. Johanna Adorja schreibt darüber sehr schön in der FAZ.

(…) Nichts gegen Touristen, aber wenn es an einem Ort mehr Touristen gibt als Anwohner, dann hat dieser Ort ein Problem. Und wo man in Mitte hinsieht: Touristen mit diesen unerklärlichen Fjällräven-Rucksäcken, die unendlich langsam exakt vor einem auf dem Bürgersteig laufen, weil sie gerade auf ihrer Geocache-App was nicht finden. Touristen, die in Gruppen mitten auf der Straße ratlos auf Segways zusammenstehen und sich nicht sicher sind, ob es zum nächsten Starbucks jetzt rechts oder links geht.

Touristen, die zu zwanzigst hinter einem Guide herradeln, der irgendwas von Castle schreit, wenn doch ganz deutlich nur ein sich im Bau befindliches Parkhaus zu sehen ist. Touristen, die sich, selber leicht peinlich berührt, in Pferdekutschen durch Mitte kutschieren lassen; Touristen, die dasselbe in Fahrradkutschen tun, wobei es immer wirkt, als habe der Fahrer in seinem Leben sonst überhaupt nie jemanden zum Reden. Touristen (lieber Gott, lass es Touristen sein) auf Bierbikes (neulich habe ich mal eins umkippen sehen, das war ein schöner Tag). Touristen, ich schwöre, als Penis verkleidet (sie sprachen Spanisch).

Und wenn sich zu den Touristen plötzlich junge Frauen mit wichtigen Gesichtern gesellen, die auf Pferdehuf-Schuhen die Linienstraße hinunterhumpeln, dann weiß man: es ist Fashion Week. Und wenn nicht gerade Gallery Weekend ist, ist eigentlich immer Fashion Week. Es sei denn, es ist Art Berlin Contemporary oder Berlin Biennale, aber dann ist ja auch immer Fashion Week. (…)

Den ganzen Artikel gibt es hier.

Zeit zum Zuschauen? Denn es lohnt sich.

Ein Beitrag zum Themengebiet Reisen., geschrieben am 21. April 2016 von Thomas Lasser

Der Grund, warum hier gerade nichts passiert, ist …

Ein Beitrag zum Themengebiet Arbeiten., geschrieben am 17. März 2016 von Thomas Lasser

Es ist die Art, wie ich die Dinge sehe.

Ein Beitrag zum Themengebiet Anmerken., geschrieben am 11. Februar 2016 von Thomas Lasser

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Total abgehobenes optisches Spektakel.

Ein Beitrag zum Themengebiet Arbeiten., geschrieben am 14. Januar 2016 von Thomas Lasser

https://www.youtube.com/watch?v=teQwViKMnxw

2015. Ein Rückblick unter 35 Aspekten.

Ein Beitrag zum Themengebiet Leben., geschrieben am 4. Januar 2016 von Thomas Lasser

Beste Entscheidung: Aus  L O O K !  und  L O O K ! 7 2  wird LOOK//one.

Schlechteste Entscheidung: Auch in diesem Jahr wieder nicht zum Essen ins Louis C. Jacob nach Hamburg gefahren zu sein.

Beste Anschaffung: Sakko von Orazio Luciano. Hosen von Closed.

Dämlichste Anschaffung: Ein Paar New Balance 1500. Einfach nicht mein Style. (Im Gegensatz zum 574er …)

Schönster Absturz: 31.10., Jazz Club Hannover, Marcos Valle, Summer Samba and Red Wine …

Schlimmster Absturz: Gab es nicht.

Bestes Getränk: Wein. Immer wieder Wein.

Ekelerregendes Getränk: Sekt. Süßer Sekt.

Bestes Essen: Vitello Tonnato. Steak Tatar. Seeteufel Pizzaiola.

Schlimmstes Essen: Haxen.

Beste Musik: Kamasi Washington.

Schlimmstes Gejaule: Namika.

Eigene, schönste musikalische Wiederentdeckung: Hall & Oates.

Peinlichster musikalischer Faux-Pas: Helene Fischer (hübsch zu finden).

Beste Idee: Kommunikationskonzept für Tageszeitungsverlage. Leider nicht verkauft.

Dämlichste Idee: Zu glauben, es kann nicht mehr schlimmer werden …

Beste Lektüre: DER SPIEGEL.

Langweiligste Lektüre: Focus (Abo storniert)

Zugenommen oder abgenommen? Zugenommen. Ein wenig.

Haare länger oder kürzer? Gleich.

Kurzsichtiger oder weitsichtiger? Weitsichtiger. Aber so etwas von …

Mehr ausgegeben oder weniger? Weniger. Das war nach 2014 aber auch nicht schwer.

Der hirnrissigste Plan? Urlaub Anfang Februar auf Fuerteventura. Kalt, kalt, kalt.

Die teuerste Anschaffung? Vorhänge für Wohn- und Schlafzimmer. Ich hatte ja keine Ahnung …

Das leckerste selbst gemachte Essen? Pappardelle à la Papermoon (Milano)

Das beeindruckenste Buch? Keins gelesen, dafür aber unendlich viele Zeitungen, Magazine, Blogs, Websites …

Der ergreifendste Film? The Virgin Suicides.

Das schönste Konzert? Gab nur eins (ausser im Jazz Club): The Alan Parsons Project.

Die meiste Zeit verbracht mit …? T.

Die schönste Zeit verbracht …? T.

Vorherrschendes Gefühl 2015? Es geht schon wieder aufwärts.

2015 zum ersten Mal getan? Männerabend. Mit einem zweijährigen. Jazz, Chips, Apfelschorle.

2015 nach langer Zeit wieder getan? Urlaub auf Mallorca.

Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen? Deutsche Rentenversicherung. Pitches. Bronchitis.

2015 war mit 1 Wort … ? Solala.

All I want for Christmas is … you!

Ein Beitrag zum Themengebiet Anmerken., geschrieben am 22. Dezember 2015 von Thomas Lasser

Schönes kann helfen. Zumindest ein wenig. Diese grossartige Idee greift unsere Agentur in diesem Jahr auf. Ich lade Euch ein, ein Teil davon zu sein. Sucht Euch einfach in unserem Shop ein Exemplar aus unserer Serie von neun Wood-Prints aus. Oder gleich mehrere. Zum Aufhängen, Hinstellen, Freunde beschenken. Den Erlös aus dem Verkauf spendet LOOK//one der Initiative Hand in Hand für Norddeutschland. Diese hilft dieses Jahr Flüchtlingen in Norddeutschland ganz konkret. Frohes Fest. Für uns alle.

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Auf die letzte Rille. Oder: Ich liebe Vinyl.

Ein Beitrag zum Themengebiet Hören., geschrieben am 16. Dezember 2015 von Thomas Lasser

Tonträger sind irgendwie egal geworden, aus sorgsamen Sammlungen werden Datenschnipsel. Wohin mit der Musikliebe? Darüber schrieb neulich Max Scharnigg auf sueddeutsche.de. Und zwar so schön, dass ich dem nichts hinzuzufügen habe. 

Die Band Phoenix hat eine Weihnachtssingle veröffentlicht. Zusammen mit Bill Murray und für einen guten Zweck. Eigentlich ein ziemlich perfektes Geschenk. Diese Single ist entweder als 7-Inch oder als Download zu erwerben. Irgendwie also doch kein so perfektes Geschenk mehr. Das eine Format ist zu speziell, das andere zu banal. Aber so wird Ende 2015 offenbar Musik vertrieben als Uralt-Vinyl oder Datenhaufen. Und irgendwo zwischen diesen beiden Extremen ist in den letzten fünf Jahren meine Plattensammlung verschwunden.

1990: CDs waren eine Botschaft direkt aus der Zukunft

Den Anfang machte eine wuchtige Kompaktanlage mit CD-Player am zehnten Geburtstag. Es war das Jahr 1990, CDs waren eine Botschaft direkt aus der Zukunft. Laser. Das irisierende Funkeln der Scheiben. Die Digitalzahlen. Keine Frage: Ich war im Besitz von Premiumtechnologie. Es gab auch zwei CDs dazu, Scorpions und eine obskure Tote-Hosen-B-Single. Ich schob die Erich-Kästner-Kassetten zur Seite. Platz für Scorpions und die Zukunft.

In den nächsten 15 Jahren kamen zu den zwei CDs etliche Tausend Stück dazu. Jede einzelne Platte war ein Stück von einem wunderbaren Puzzle, das niemals fertig war. Ich kaufte eine, und wenn ich sie gehört hatte, wusste ich, dass mir fünf fehlten. Zum Glück gab es so viel davon und zum Glück gab es keine Frage, wie Musik dargereicht werden sollte: Innerhalb von wenigen Jahren hatte sich die ganze Welt auf ein Format geeinigt, niemand diskutierte über den Träger, sondern über das, was er trug – die Musik.

Es hätte immer so weitergehen können

Und wenn die CD das Pferd war, war die Kassette der alte Esel. Das gutmütige Lasttier, mit dem man nach einem beherzten Tastendruck aufnehmen konnte, was im Radio lief. Und weltbeste Mixtapes anfertigen, die jeden Besitzer einer hoffnungsvollen Plattensammlung in die Lage versetzten, Mädchenherzen anzuweichen. CD und Kassette waren ein gutes Team. Ich und die Musik waren ein gutes Team. Es hätte immer so weitergehen können.

Platten sammeln macht glücklich. So wie jede Sammelleidenschaft, die nie an ein logisches Ende stößt. Ziemlich bald spürt der Sammler die Gegenwart seiner Sammlung als etwas viel Größeres als er selbst. Er begreift sich ab dann nur noch als Pförtner einer Welt. Sieht man sich die Porträts der großen Plattensammler im Mammutwerk „Dust & Grooves“ (erschienen bei Eden) an, steht ihnen allen das gleiche, leicht desperate Glück ins Gesicht geschrieben. Niemals genug und immer in Sorge. Alle in der Gewissheit, dass ihr eigenes Schicksal untrennbar mit den Regalen in ihrem Rücken verknüpft ist.

Das ist vielleicht der Unterschied zu anderen Sammlungen. Neben dem haptischen Anhäufen von Zeug gibt es hier eben die Musik selbst, deren Töne mit jeder Lebensminute verknüpft sind. Es müsste immer Musik sein, lautet eine alte Popforderung. Sammler arbeiten seriös daran.

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