Wie der »Deutsche Herbst« meine Kindheit prägte.

Ein Beitrag zum Themengebiet Leben., geschrieben am 11. September 2017 von Thomas.

September 1977. Ich war 11 Jahre alt. Eine der einprägsamsten Erinnerungen an diese Zeit sind die Ereignisse des Deutschen Herbstes, an denen unsere Demokratie fast gescheitert wäre und die die alte BRD für Jahre verändert haben. September 2017. 40 Jahre ist das in diesen Tagen her. Aber was mir geblieben ist, ist ein hohes Interesse an der ganzen Geschichte der RAF, die am Ende dann zu all dem führte, den damals beteiligten Personen und an denen, die schon damals darüber berichteten und es auch heute noch tun. Stefan Aust zum Beispiel, der mit dem Baader-Meinhof-Komplex nicht nur das Standardwerk zur RAF verfasst hat, sondern auch die Vorlage zum gleichnamigen Spielfilm von Uli Edel lieferte. Ein kurzer Abriss der Ereignisse in den 70er Jahren.

Im Mai 1970 gründeten Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Ulrike Meinhof, Horst Mahler und andere die Rote Armee Fraktion. Eine fast schon unglaublich unbedarfte Truppe, denn nach zwei Jahren und ein paar Bombenanschlägen waren die Stadtguerilleros verhaftet. Eine zweite Generation trat an, um den Kampf weiterzuführen und um ihre Genossen freizupressen.

Am 5. September 1977 wurde der Vorsitzende des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, Hans-Martin Schleyer, von vier RAF Mitgliedern entführt, seine Fahrer und Personenschützer erschossen. Die RAF verlangt für die Freilassung Schleyers von der Bundesregierung die Freilassung von 11 inhaftierten Genossen, darunter Baader und Ensslin. Bundeskanzler Helmut Schmidt, der einmal, im Fall des entführten Berliner SPD-Vorsitzenden Peter Lorenz, den Forderungen der Terroristen nachgegeben hatte, weigert sich.

Um mehr Durck aufzubauen, entführen am 13. Oktober 1977 vier Palästinenser die Lufthansa-Maschine Landshut auf ihrem Weg von Mallorca nach Frankfurt/Main. Nach einer Odyssee durch mehrere Staaten im arabischen und afrikanischen Raum überleben bis auf den Flugkapitän Jürgen Schumann alle Crewmitglieder und Passagiere, sie werden durch ein Einsatzkommando der GSG 9 am 18. Oktober 1977 in Mogadischu befreit. Drei der Entführer sterben. Nur wenige Stunden später entdecken Vollzugsbeamte im Gefängnis Stuttgart-Stammheim die RAF-Gründer Baader und Ensslin tot in ihren Zellen, zwei weitere Gefangene der Terrormiliz sind schwer verletzt.

Daraufhin wird der entführte Hans-Martin Schleyer am Nachmittag des folgenden Tages tot im Kofferraum eines Autos der RAF im Elsass aufgefunden. Das Land befindet sich kurz vor einem Staatsnotstand. Als sei es erst gestern gewesen, erinnere ich mich an die omnipräsenten Fahndungsplakate an Tankstellen, in Postämtern und Bankfilialen. Bis heute gelten die damals erlassenen Antiterrorgesetze. Der Deutsche Herbst beschäftigt nun 40 Jahre die Justiz und die Gesellschaft. Und einige zentrale Fragen sind bis heute nicht geklärt. Weil eigentlich alle noch lebenden ehemaligen Mitglieder der RAF eisern schweigen. Bis auf Peter-Jürgen Boock.

Über die Stadt, in der ich lebe. Und arbeite.

Ein Beitrag zum Themengebiet Arbeiten., geschrieben am 24. August 2017 von Thomas.

Hannover, wir müssen reden. Habe ich Dir eigentlich schon mal gesagt, wie sehr ich Dich mag? (Ja, habe ich.). Ich kann Dir das eigentlich gar nicht oft genug sagen, weil ich schon lange dieses ewige Bashing und Genörgel leid bin, das man immer wieder überall und ungefragt hört. Zumeist von Leuten, die außer Messegelände, Hauptbahnhof oder Autobahnkreuz Hannover-Ost noch nicht besonders viel von Dir gesehen haben. Für den Blog der Agentur habe ich die Stadt mal unter dem Aspekt Arbeiten beleuchtet. Das kann man hier als Kommunikationsprofi nämlich auch besonders gut. Und man steht nicht ständig, wie in Berlin, Frankfurt oder Hamburg, den Kollegen auf den Füßen. Hier bitte klicken, wer mehr wissen möchte.

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Foto: CC-3; Wikipedia; Bernd Schwabe in Hannover.

Sprechen wir also mal über Besprechungen.

Ein Beitrag zum Themengebiet Arbeiten., geschrieben am 24. Juli 2017 von Thomas.

Einen wirklich ganz großen Teils meines Jobs nehmen Meetings ein. Ich würde sagen … gut die Hälfte der Woche sitze ich in lichtdurchfluteten Glaskästen, stickigen Hinterzimmern, beeindruckenden Konferenzräumen oder schlichten Besprechungsnischen. Und das ist nicht immer gut. Denn es kommt nicht immer etwas wirklich Gutes dabei raus. Weil der Kreis sich nicht beflügelt. Weil die Teilnehmer nach zwei Stunden müde werden. Oder man schon wieder das nächste Thema des kommenden Termins im Kopf von links nach rechts bewegt. Ich plädiere daher für weniger terminierte Meetings und für mehr spontanes Reden. Und zwar nicht an den oben erwähnten Orten, sondern auch mal außer Haus, außerordentlich oder außerhalb der kernigen Arbeitszeit. Darüber habe ich einen Eintrag im Blog der Agentur geschrieben. Und den Text, den gibt`s hier.

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Handwerk. Goldener Boden.

Ein Beitrag zum Themengebiet Essen., geschrieben am 21. Juni 2017 von Thomas.

Ist Kochen eine Kunst? Oder doch eher ein Handwerk? Reine Geschmackssache, würde ich sagen. 

Es gibt immer wieder Tage im Leben, die verlangen geradezu nach bestimmten Lokalen. Herzschmerz, Abmahnung, Großstadtblues: Wer dazu nicht jeweils einen Eintrag im Adressbuch seines Smartphones hat, hat die Adressen zumindest im Kopf. Und es gibt Läden, die einfach klassisch, geradezu zwingend sind, weil sie sich bedingungslos für die wichtigen Ereignisse des Lebens anbieten: erstes Date, fetter Aktiendeal, überstandene Scheidung. Und dann sind da Restaurants, die so bemerkenswert sind, dass es für sie schon eine besondere Laune und eine explizite Haltung braucht. Ich sage es mal so: Wer sich fühlt, als müsste er mit Sombrero und im Maßanzug barfuß über den Maschsee tanzen, dabei Emma Stone an der einen, einen Schimpansen an der anderen Hand, der unermütlich »Learn to fly« von den Foo Fighters singt, der ist in so einem Moment im Handwerk in der Südstadt goldrichtig. Häh?

Für einen Abend dort empfiehlt sich durchaus gute Laune, ein aufgeschlossener Geist, die Lust, mal auf Konventionen zu pfeifen und die Bereitschaft, eine, zumindest für Hannover, neue Art Restaurant kennenzulernen. Denn: Es gibt zur Zeit kaum einen schöneren Gastraum in Hannover. Hier wurde nicht nur Geschmack, sondern auch Geld investiert. Es gibt keine zweite gastronomische Adresse, die dem Gast eine derart straffe Karte präsentiert. Zwei Vorspeisen, zwei Zwischengerichte, einen (!) Hauptgang, Käse oder Dessert. Das muss einem erst mal passen. Und nirgendwo in der Stadt wird man vom überaus freundlichen Service, angeführt von Ann-Kristin Moser, derartig dokmatisch geduzt. Von Kneipen in Linden vielleicht mal abgesehen.

Aus den sechs angebotenen Gängen wählen wir vier. Der Zander »Ike Jime« schied besonders sanft aus dem Leben und schlummert jetzt auf einem Bett aus Gurkenwürfeln, bewacht von geschmackvollen Sojapilzen. Eine höchst sommerliche Vorspeise und ein klares Signal aus der kreativen Küche. Hier wird anders gedacht! Weiter geht es mit gegrilltem Spargel, der, flankiert von Fichtensprossen und »Erde«, uns eine wirklich neue Seite offenbart. Absolut betörend. Als nächstes verlässt ein Ravioli mit Entenklein die Küche, umspült von einer Sauce aus und mit Erbsen, verfeinert durch etwas Parmesan. Eine köstliche Interpretation eines klassischen Pastagerichts. Zum Abschluß wird eingelegter Rücken vom Rind serviert, dem ein Zwiebelkompott zur Seite gestellt wurde. Gerade zusammen ein geschmacksintensiver Ausklang des Abends. Der wird begleitet von einem roten Bordeaux, eine Cuvee aus Cabernet Sauvignon und Merlot, eine passende Wahl aus der kleinen, aber interessant zusammengestellten Karte. Eine sogenannte »Getränkebegleitung« gibt es auch, in deren Rahmen es durchaus mal Tee oder Saft zum Essen geben kann.

Wer das Handwerk besucht, der betritt also goldenen Boden. Das Restaurant funktioniert dank durchweg hoher Professionalität wie eine Eins. Detailbesessen, freundlich, effizient. Thomas Wohlfelds Küche ist für mich durchaus Kunst. Und die ist ganz nach meinem Geschmack.

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(Dieser Artikel erschien in »Hannover geht aus«, Ausgabe Sommer 2017. Jetzt am Kiosk! Ich fotografiere in den Restaurants grundsätzlich ohne Blitz. Daher die zum Teil maue Ausleuchtung.)

Absolute Spitze. Vom Weißwein mal abgesehen. Kreta 2017.

Ein Beitrag zum Themengebiet Reisen., geschrieben am 30. Mai 2017 von Thomas.

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Aus der Abteilung »Da wollte ich immer schon mal hin«.

Ein Beitrag zum Themengebiet Essen., geschrieben am 2. Mai 2017 von Thomas.

Hass. Liebe.

Ein Beitrag zum Themengebiet Arbeiten., geschrieben am 7. April 2017 von Thomas.

Warum ich seit über 25 Jahren immer wieder bei Apple anbeiße.

Als ich das letzte Mal an einem PC saß, war Deutschland frisch wiedervereinigt und die Boyband Take That wurde gerade gegründet. Der Rechner war so ein 386er, das Textverarbeitungsprogramm hieß WordPerfect und der Bildschirm war schwarz mit orangefarbenen Punkten. Und dann kam Apple.

Ende 1990 begrüßte mich mein erster Macintosh beim Einschalten (»Willkommen!«), verschob ich mit der Maus Objekte auf meinem Schreibtisch und Schrott, den ich geschrieben hatte, direkt in den Papierkorb. Bevor ich den Text zum Drucken gab. Es war der Beginn einer echten Liebesgeschichte, die, wie so oft in der Liebe, hin und wieder auch mit Hass einherging.

Geräte von Apple waren schon immer Designikonen ihrer Zeit. Gilt so oft »form follows function«, gilt bei Apple ganz oft »function follows form«. CD-Laufwerke? Nö, wir machen die Laptops dünner! (Und verkaufen die Dinger als Zubehör.) Nur noch einen USB-Anschluss? Es gibt doch Hubs! (Noch mehr Zubehör!) Klinkensteckerbuchse für die (sauteuren) »Beats« beim iPhone 7? Wir hätten da jetzt für 179 € ganz tolle neue Bluetooth-Ohrstöpsel in Angebot! (Mit denen man aussieht, als hätte man sich die Köpfe seiner elektrischen Zahnbürste in die Ohren gesteckt.)

Apple pfeift immer wieder auf Industriestandards und zwingt uns so neue Hardware anzuschaffen, weil die alte nicht mehr funktioniert. Auch darum ist das Unternehmen ja das reichste der Welt, häuft ein Vermögen, das ungefähr den gesamten Schulden Argentiniens entspricht, auf Konten an, auf die keine Steuerbehörde der Welt aktuell Zugriff hat.

Trotzdem: Ich liebe Apple. Weil diese wunderschöne »iWorld« (Rechner, Tablet, Telefon, Cloud) in ihrer Handhabung und in ihrer Intelligenz einfach einmalig ist. Weil dieser durchdachte Kosmos aus Hardware, die sich untereinander versteht und Software, die sicher läuft, für User wie mich erste Wahl ist und auch bleibt. Und nachdem ich mich über Monate Apple Music verweigert habe, (CDs, Leute, ich kaufe noch CDs!) habe ich seit diesem Sommer ein (natürlich kostenpflichtiges) Abo des Streamingdienstes und freue mich über Spartenkanäle, auf denen Musik läuft, die ich wirklich mag, Darauf mochte ich schon nach wenigen Tagen nicht mehr verzichten … Nur die iWatch, die braucht kein Mensch.

(Dieser Artikel erschien parallel im Corporte Blog der Agentur.)

Jazz for a new Generation. Robert Glasper.

Ein Beitrag zum Themengebiet Hören., geschrieben am 15. März 2017 von Thomas.

Es ist ein schmaler Grad zwischen »geht«, »gut« und »geil«.

Ein Beitrag zum Themengebiet Arbeiten., geschrieben am 16. Februar 2017 von Thomas.

Man muss sich das nur mal vorstellen: Die Beatles haben von 1963 bis 1970 Platten veröffentlicht. Acht Jahre lang. 12 Stück. Frontmann Paul McCartney veröffentlicht seit 1970 Platten ohne die Beatles. Also, das laufende mitgezählt, seit 47 Jahren. 25 Stück. In diesen fast fünf Jahrzehnten »solo« hat er jedoch wenig geschaffen, was es mit den Jahren davor auch nur ansatzweise aufnehmen könnte.

Das ist weder gemein noch hämisch. Es macht nur klar, wie Paul McCartney wirklich drauf ist. Die ganze Zeit nach den Beatles ist nämlich dadurch geprägt nicht mehr zu sagen als: Hey, ihr da, checkt, ich kann es auch alleine, ich brauche weder John Lennon noch irgendjemand anders, um Musik zu machen. Die Massen nicken wohlwollend, kaufen seine Platten, prügeln sich um Karten für längst ausverkaufte Konzerte. Flippen aber erst aus, wenn er alte Beatles-Stücke singt. Paul »geht«, die Wings sind »gut«, aber die Beatles, die sind eben »geil«.

Was das für die »Komposition« und das »Spielen« von Kampagnen bedeutet? Alles. Denn auch hier machen kleine Dinge den großen Unterschied.

Gutes Team zur richtigen Zeit am Start? Dann kann das was werden. Der Texter (nennen wir ihn … Paul!) und sein Gestalter (John?) können gut miteinander, verbringen gern Zeit zusammen, die Ideen fließen (A Hard Day`s Night) und bei der Präsentation spielen sie sich mit Leichtigkeit die Bälle zu. Kunde begeistert, Kampa verkauft, Ziele erreicht (We Can Work It Out). So geht das immer weiter. Ein paar Jahre lange, vielleicht. Das ist dann geil.

Irgendwann denkt Paul, och nee, immer dieses Ding mit John, immer die gleiche Agentur mit dieser merkwürdigen Philo (Yello Submarine). Tapetenwechsel, bitte. So. Und jetzt passiert es. Paul sitzt irgendwo mit Peter (?) zusammen. Ähnliches Thema, gleiche Aufgabe. Statt wie früher braucht Paul nun plötzlich tagelang um überhaupt eine brauchbare Idee zu haben. Die findet Peter aber erst mal blöde. Paul mault, der Kunde drängelt (Please, Please, Me). Kann man so machen, ist aber Kacke, sagt der Chef. Egal. Das Konzept wird präsentiert, der Kunde ist angetan, die Mafo sagt, solide! Das ist dann gut.

Paul wird mit der Zeit aber immer frustrierter. Er schmeißt alles hin, und denkt, was soll das ganze Ding, ich will keinen Peter mehr, ich kann das auch alleine. Er macht sich selbstständig, als Creative Consultant, genug Kontakte hat er ja. Dann mal los. Jobs akquirieren, Konzepte schreiben, Freelancer liefern Artwork dazu. Termine beim Kunden. Mal ordentliches, mal mäßiges Feedback (Can`t Buy Me Love). Spaß? Geht so. Motivation? Geht so. Erfolge? Na ja. Das ist dann (im besten Fall noch) gut (Help!).

Das Team ist der Held. Das war bei uns schon immer so, das soll auch so bleiben. Darum sind wir stolz, so viele gute Leute schon so lange bei uns zu haben (I Want To Hold Your Hand). Nächstes Projekt.

(Dieser Artikel erschien parallel im Corporte Blog der Agentur.)

Was ist Jazz?

Ein Beitrag zum Themengebiet Hören., geschrieben am 24. Januar 2017 von Thomas.

Wenn der Solist nicht die völlige Freiheit hat,
hört es auf, Jazz zu sein.
Jazz ist wahrscheinlich die einzige heute existierende Kunstform,
in der es die Freiheit des Individuums
ohne den Verlust des Zusammengehörigkeitsgefühls gibt.
(Dave Brubeck)

Photo of Dave BRUBECK


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