e.s.t. – »Live In London«.

Ein Beitrag zum Themengebiet Hören., geschrieben am 23. Mai 2018 von Thomas Lasser

Altes Format, neuer Beitrag! Als ich vor gut sieben Jahren anfing, diesen Blog zu füllen, gab es immer wieder Beiträge in der Kategorie »Hören«, in denen ich mit der größenwahnsinnigen Haltung eines Musikredakteurs CDs (ja!) besprach, die mir in musikalischen Nischen aufgefallen waren. Da hatte ich noch sehr viel Zeit. Das hat sich ein bisschen geändert. Ich kann nun nicht mehr regelmäßig Fachmedien oder Newsletter nach neuen Meisterwerken der Musik durchsuchen. Trotzdem habe ich wieder Lust auf das Format. Und möchte zumindest hin und wieder herausragende Releases kommentieren. Wie zum Beispiel dieses hier. 

Es gibt neue Alben, die braucht kein Mensch. Und es gibt neue Alben, deren alleiniges Erscheinen eine derartige Sensation ist, mit der man im Leben nicht mehr gerechnet hätte. e.s.t. Drei Buchstaben, ein Jazztrio, das diese Musik für mich in völlig neue Bereiche getragen hat. Als ich 2007 auf einen Mitschnitt eines Konzertes in Hamburg stieß, brachen Himmel und Erde gleichzeitig auf. Jazz war plötzlich nicht mehr eine altbekannte, sondern eine völlig neue Kunst. Wer mir das nicht glaubt, der hat »Live In Hamburg« vom Esbjörn Svensson Trio noch nie gehört. Aufgenommen 2005 vom NDR, eines der packendsten und audiophilsten Live-Alben, von der New Yorker Times zum »Jazz-Album des Jahrzehnts« gewählt, was ich aber erst seit einer Woche weiß.

Und nun kommt »Live in London«. Anläßlich des 10. Todestages des Pianisten Esbjörn Svensson, der 2008 beim Tauchen vor Stockholm starb. Tragisch. Ich male mir gar nicht aus, welche Aufnahmen es deswegen nicht gibt und welche dadurch Konzerte nicht gespielt wurden … Der nun vorliegende Mitschnitt eines Konzertes aus dem Jahr 2005 bringt den viel zu früh verflogenen Zauber der anderen Alben in eindrucksvoller Weise zurück. Faszinierend, wie aus Flügel, Bass und Drums ein Klangcocktail wird, wie Klangräume geöffnet und beim Hören geradezu betreten werden. Man sitzt vor den Boxen, und wer sich für diese Art der Musik begeistert, der darf mit den Tränen kämpfen, in Anbetracht dieser unglaublich zeitlosen Schönheit. Grandios.

Spielzeugtag.

Ein Beitrag zum Themengebiet Leben., geschrieben am 23. April 2018 von Thomas Lasser

Ein neues Projekt, ein neues Format! Mein Alter Ego Tom Nädler schreibt ab sofort und in jeder Ausgabe des Mitgliedermagazins Lebe! von spar + bau hannover eine Kolumne mit dem Titel Familienbande. Über all das, was man so erleben kann, wenn man mit Frau und Kind unter einem Dach sein gemeinsames Leben führt. Viel Spaß beim Lesen!

Alle Eltern eines Kindergartenkindes kennen das allmorgendliche Spiel: Bis die Kleinen einen an der Tür der Einrichtung endlich rausgeschmissen haben, ist das frische Bürooutfit schon wieder reif für die Wäsche. Mit glänzendem Gesicht wirft man sich ins Auto um danach den eigentlichen Herausforderungen des Tages zu begegnen.

Theo ist knapp fünf und ich würde mal sagen … ein Freigeist. Er hasst es in den Kindergarten zu gehen, will am Nachmittag aber nie weg. Der Morgen wird da oft zum Kampf, außer am Freitag, da ist Spielzeugtag und er darf ein Teil, dass er mit einer Hand tragen kann und das keinen Lärm macht, mitbringen. Was das ist, wird normaler Weise schon am Donnerstag angeregt diskutiert und noch nie ging das Thema im allgemeinen Familientrubel unter. Bis zur letzten Woche.

Die Tür des Kindergartens ist kaum ins Schloss gefallen, da ist klar: Wir haben ein Problem. Wir haben ein Spielzeug vergessen. Theo, sonst eher der Typ »Große Klappe«, sagt erst mal nix und sagt dann »Kannst Du Mama anrufen, sie soll den Hubschrauber bringen?« Ich verweigere mich innerlich sofort, denn das muss ja auch mal ohne gehen, weiß aber, dass er weiß, dass man sich heutzutage immer überall erreichen kann.

Doch Mama geht nicht ans Telefon. Hin- und hergerissen sitze ich im Auto, verfluche den Tag, an dem ich mich fürs Vaterwerden entschieden habe und fahre wieder nach Hause. Zehn Minuten später stehe ich mit dem Hubschrauber im Kindergarten, suche meinen Sohn und finde ihn beim Spiel mit einer Feuerwehr. Mit großen Augen schaut er mich ungläubig an. »Was willst`n Du hier?«, fragt er. »Äh, der Hubschrauber …?«, stammele ich. Er wendet sich ab, winkt ab und löst den Feueralarm in der Spielzeugwache aus. Tatütata.

Meinung in Zeiten von Fakes und Likes.

Ein Beitrag zum Themengebiet Anmerken., Leben., geschrieben am 21. März 2018 von Thomas Lasser

Was ich an Magazinen, Zeitungen und dem Internet besonders mag, ist die ja geradezu uneingeschränkte Möglichkeit, sich immer über alle möglichen Themen informieren zu können. Ich mache das sehr gerne und erweitere dadurch meinen Horizont, wenn ich mir sicher bin, dass die Quelle etwas taugt. Bei Blogs und Social Media ist das aber hin und wieder so eine Sache, weiß man doch nie, wer den Kanal betreibt bzw. befeuert. Im Blog der Agentur habe ich mir daher sehr gerne das Resort Meinung gegriffen. Und vor ein paar Tagen mal einen Text über meine Meinung über Meinung geschrieben.

(Foto von unsplash.com)

Die Poesie von Blue Note. Einfach nur toll.

Ein Beitrag zum Themengebiet Hören., geschrieben am 26. Februar 2018 von Thomas Lasser

Miles Davis hat einmal gesagt „Die weißen Kritiker meiner Musik beachte ich nicht. Es ist, als wollten Europäer chinesische Musik kritisieren. Sie haben davon keine Ahnung. Ich habe gelebt, was ich spiele“. Ich verehre den Mann wie nur wenig andere Jazz-Musiker. Mit der gleichen Achtung lese ich auch das folgende Gedicht aus dem Jahr 1961 von Langston Hughes, einem – natürlich – afroamerikanischen Dichter und Schriftsteller aus Harlem.

Trumpet Player

The Negro
With the trumpet at his lips
Has dark moons of weariness
Beneath his eyes where the smoldering memory of slave ships
Blazed to the crack of whips about thighs

The negro
with the trumpet at his lips
has a head of vibrant hair
tamed down,
patent-leathered now  until it gleams
like jet were jet a crown the music

from the trumpet at his lips
is honey mixed with liquid fire
the rhythm from the trumpet at his lips
is ecstasy  distilled from old desire
Desire that is longing for the moon
where the moonlight’s but a spotlight in his eyes,
desire that is longing for the sea
where the sea’s a bar-glass sucker size

The Negro
with the trumpet at his lips
whose jacket
Has a fine one-button roll, does not know
upon what riff the music slips
It’s hypodermic needle to his soul
but softly as the tune comes from his throat
trouble  mellows to a golden note

(Langston Hughes)

Walk On The Wildside: Kannste mal die Seite wechseln?

Ein Beitrag zum Themengebiet Essen., Hören., Trinken., geschrieben am 30. Januar 2018 von Thomas Lasser

Wer Rock´n´Roll im Restaurant will, schreckt vor neuen Kompositionen nie zurück. Hier kommt die neue Platte der Band Schindler / Elbert

Holly came from Miami F. L. A. Hitch-hiked her way across the U.S.A. Plucked her eyebrows on the way. Shaved her legs and then he was a she. She said, hey babe, take a walk on the wild side. Said, hey honey, take a walk on the wild side … Früher war alles nicht unbedingt besser, die Texte vieler Songs für die Ewigkeit aber expliziter. Wer heute noch einen Spaziergang auf der wilden Seite machen will, der kommt in Hannover bei Verena Schindler und Christoph Elbert vorbei. Um richtig gut zu essen und ausgesucht zu trinken. Ihre Läden in der Stadt leben von der unerschöpflichen Energie dieser Frau, der schieren Wucht dieses Mannes, ihrer immer prachtvollen Ideen und der Motivation der gesamten Mannschaft. 11A, Ihmerauschen (Wein!), Boca (Gin!) oder Plümecke (Bier!). Es ist echt „scheißegal“ wohin man geht, das wird garantiert ein cooles Ding, bei dem man hier und da auch mal fassungslos den Kopf schüttelt aber immer doch ausgesprochen zufrieden nach Hause kommt. Auf weniger Wichtiges – Damast, Kreditkarten, Grand Crus – wird überall bewusst verzichtet, auf mehr Entscheidendes – Produkt, Ambiente, Preis – dafür umso mehr geachtet.

Zu diesem kleinen Imperium gehört seit Ende Oktober nun auch das Walk On The Wildside (Cocktails!) in den Räumen der ehemaligen Fußballkneipe Linden Journal. Die befinden sich auf der anderen Straßenseite vom 11A. Gegenüber blieb im Raum kaum ein Detail beim anderen, der Laden wurde, typisch für die beiden Chefs, individuell inszeniert und mit unterschiedlichen Stücken ganz schön aufgemöbelt. Jeden Donnerstag, Freitag und Sonnabend werden jetzt hier ab 19 Uhr „elegante Cocktails“ mit „hochwertigen Zutaten“ vom Chef Elbert selbst oder von Henrike Hollander serviert. Die Karte wechselt wöchentlich, da ist wirklich jede Menge Trinkspaß garantiert.

Der ultimative Reiz des neuen Ladens ist für mich das in Hannover in dieser Form einzigartige „Private Dining“-Konzept. Für acht bis zwölf Personen tischt man dann an einem langen Tisch im hinteren Teil der Bar nach Absprache aus der eigenen Küche alles Mögliche auf. Bock auf ein bestimmtes kulinarisches Thema? Lust auf die Küche eines exotischen Landes? Die frischen Produkte der laufenden Saison? Eine ganze spezielle Kochtechnik? Oder einmal einen ganzen Fisch? Bis auf das sprichwörtliche halbe Schwein auf Toast macht Christoph Elbert wahrscheinlich alles möglich. In vier bis sechs Gängen mit passenden Getränken wird im Walk On The Wildside also jeder Wunsch wahr. Hier macht sich der Chef bewusst aber mit Lust von allen Dingen frei, kocht wie er und seine Gäste es mögen.

Ganz im Sinne von Lou Reed, der immer fand, dass seine eigene Musik digital „scheiße“ klingt, steht im Walk On The Wildside in der DJ-Kabine übrigens ein (!) Plattenspieler. Dazu die Vinyl-Sammlung des verstorbenen Hannover Concerts-Chef Wolfgang Besemer. Tausend Scheiben, auf denen sicher so manche klassische Perle zu finden ist. Mit dem Laden insgesamt hat Hannover nun ein neues Glanzstück mehr.

Hinter jedem Film steht ein großer Komponist.

Ein Beitrag zum Themengebiet Hören., geschrieben am 4. Januar 2018 von Thomas Lasser

Mein Manifest zum Thema Online-Shopping.

Ein Beitrag zum Themengebiet Anmerken., Arbeiten., geschrieben am 18. Dezember 2017 von Thomas Lasser

Man kann ja gerade lesen, was man will (SPIEGEL, Welt am Sonntag, alle relevanten Fachzeitschriften), überall wird das Thema Handel im Wandel breit diskutiert. Und zwar nicht, was sich die Geschäfte vor Ort alles einfallen lassen, um die Kunden von ihren Läden zu begeistern, sondern wie hilflos mancherorts zugeschaut wird, wenn der Umsatz in digitale Kanäle fliesst. Wer Glück hat, hat das früh erkannt und mischt mit. Wer geglaubt hat, dieses Internet, das geht schon wieder weg, der sieht zunehmend alt aus. Für den Blog der Agentur habe ich mir zum Ende des Weihnachtsgeschäfts zum Thema Online-Shopping ein paar Gedanken gemacht. Durchaus kritisch. Kann man hier nachlesen. Den Euro zweimal umzudrehen, bevor man ihn ausgibt, ist ja eigentlich blöd. Lieber zweimal dran denken, ob digital oder stationär, würde ich heute sagen.

1617_1_pexels-photo-374894_1920x1280

(Fotos: Pexels.com)

»L. A. Crash« ein Film von Paul Haggis.

Ein Beitrag zum Themengebiet Leben., geschrieben am 12. Dezember 2017 von Thomas Lasser

It’s the sense of touch. In any real city, you walk, you know? You brush past people, people bump into you. In L.A., nobody touches you. We’re always behind this metal and glass. I think we miss that touch so much, that we crash into each other, just so we can feel something.

(Don Cheadle als Detective Graham Waters, Text der ersten Szene des Films aus dem Jahr 2004)

Bildschirmfoto 2017-11-26 um 14.40.55

Speisekarten: Tagesempfehlung – Flambierter Lesestoff.

Ein Beitrag zum Themengebiet Essen., Leben., geschrieben am 21. November 2017 von Thomas Lasser

Was sagt die Karte eines Restaurants schon vor dem Essen über seine Küche aus? In jedem Fall: Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird.

In einem meiner früheren Leben lief ein normales Jahr ungefähr so: Januar, furchtbar, wohin mit dem Neujahrsblues und diesen unsinnigen Vorsätzen fürs Neue Jahr? Natürlich nach Paris, morgens erste Maschine hin, abends letzte zurück. Dazwischen Frühstück bei „Bofinger“ und Mittagessen bis zum späten Nachmittag im „Lucas Carton“, drei Micheln-Sterne, und so ziemlich das beste Restaurant, das ich je besucht habe. April, die erste Frühlingssonne, was fängt bloß man damit an? Sofort ins Auto, hoch nach Hamburg, ab ins „Louis C. Jacob“ und auf die Lindenterrasse des Hotels, ein wenig Champagner in der Sonne und das kleine Mittagsmenü. So flog das Jahr kulinarisch an mir vorbei und endete im Dezember zumeist mit der kleinsten Weihnachtsfeier der Welt mit nur einem Gast. Mit mir. Das konnte mal in Hannover in der „Insel“ oder mal in München im „Tantris“ sein.

Ein Teil dieses wirklich großen Spaßes war auch immer der Genuss der Speisekarten, das Studium jeder Position und das Wählen der einzelnen Gänge. Hat mir eine Karte besonders gut gefallen, habe ich sie nicht geklaut, sondern sie mir vom Küchenchef signieren lassen und mir gerahmt Zuhause in der Küche an die Wand gehängt. Nach ein paar Jahren tapeziert man da garantiert nicht mehr. Mittlerweile lebe nicht mehr in meiner Singlewohnung, bin Teil eines Drei-Personen-Haushalt inklusive privater Altersvorsorge und die ganzen Speisekarten stehen dank meiner Frau ohne Rahmen im Keller. Ein paar davon auf einem Tisch hinter Weinflaschen und neben ausrangierter Unterhaltungselektronik. Der Rest wurde hinter Weingläsern und Pasta versteckt.

Was aber geblieben ist, ist der Spaß an Speisekarten, die ich immer erst im Restaurant lese und natürlich nicht schon vorher online. Das gehört für mich zum essen gehen dazu wie der Aperitif dabei. In Hannover ist das mal ein großes Vergnügen. Aber auch mal keins, weil die Speisekarte Mist oder sogar ein Mythos ist.

Denn im „Ristorante Roma“ könnte man glauben, dass es sie gar nicht gibt. In den gut 30 Jahren, die ich da jetzt hingehe, hatte ich die Karte, glaube ich, mal in der Hand, aber es ist üblich, dass der Chef mir sagt, was die Küche aktuell zu bieten hat. „Alles da“ heißt, dass es heute alles gibt, was ich gerne esse. Tutto bene!

Das Gegenteil von keine Karte ist hingegen eine Karte und die ist dann gleich 15 Quadratmeter groß. Um Frische und Handwerk zu signalisieren gibt es in immer mehr Restaurants, gerne in der Systemgastronomie, wie früher in der Schule Tafeln. Auf die wird das Angebot so geschrieben, als würde es täglich wechseln, was aber gar nicht stimmt. Niedliche Illustration von Tomaten, Käseecken, Salatblättern und Salz- und Pefferstreuern täuschen frische Zutaten vor, die man in den meisten dieser Küchen aber eher selten sieht.

Wem eine Karte nicht reicht, der sollte mal in „Cafe Extrablatt“ gehen und sich anschauen, wie viele zusätzliche Flyer man in eine Speisekarte packen kann. Die Druckerei freut sich, der Gast ist genervt. Und dieses Design … Passt überhaupt nicht zum Ambiente, was, dass muss ich schon sagen, speziell in den neuen Läden echt einladend ist. „Pindopp Reloaded“ am Altenbekener Damm ist wirklich gelungen. Auch wenn mir jeder waschechte Südstädter, für den das „Pindopp“ so eine Art zweites Wohnzimmer in seinem Stadtteil war, dafür wahrscheinlich den Hals umdreht.

Der 2nd Place vieler anderer Hannoveraner ist seit Generationen das „Café Kröpcke“, seit 40 Jahren nun „Mövenpick“. Ich kenne kein Haus, in dem an jedem Tag gefühlt 3.000 Gäste bewirtet werden und in dem dabei so viel Wert auf Qualität und Frische gelegt wird. Das Mövenpick pflegt außerdem noch die schöne Tradition der Saisonkarte. Jeder Jahreszeit wird pünktlich zum Start ins Quartal eine neue Speisekarte gewidmet. Klar, es gibt Klassiker, aber auch in jedem Jahr neue Impulse mit Produkten ausgesuchter deutscher Erzeuger. Und zwar so beschrieben, dass der Gast weiß, was er bestellt und was danach in der Küche auf den Teller kommt.

Ich erwähne das auch deshalb, weil sich seit Jahren eine Art Speisekarten zu schreiben durchsetzt, die mehr Fragen aufwirft, als eine klare Vorstellung zu vermitteln. Diese Restaurants sind durchweg jung und ambitioniert, ihr Küchenstil meist klar und aromatisch, nur lesen sich deren Karten nicht so. Beispiele? Bitte sehr. Paprika, Deisterspeck, Fenchel, Hibiskus. Anderer Gang: Steinpilz. Zwiebel, Kirsche, Brunnenkresse. Zwei typische Positionen auf der Karte von Tony Hohlfeld im „Jante“. Oder: Fjordforelle, Sauerkraut, Brot. Nächste Position: Spanferkel, Polenta, Tomate. Zwei im Herbst aktuelle Gerichte auf der Karte in Thomas Wohlfelds „Handwerk“. Da wird schon mal für Gesprächsstoff gesorgt. Der vielen Paaren in Restaurants ja oft völlig fehlt. In ihrem Namen sag ich mal: Danke, Tony! Danke, Thomas!

Gute_Karten

Für immer und ewig … Aretha!

Ein Beitrag zum Themengebiet Hören., Leben., geschrieben am 26. Oktober 2017 von Thomas Lasser

Als Dionne Warwick im Oktober 1967 »I Say a Little Prayer« als Single rausbrachte, stieg der Song, geschrieben von Burt Bacharach und Hal David, bis auf Platz vier in den U.S.-Charts. Nur knapp ein halbes Jahr später, und damit heute undenkbar, ging Aretha Franklin ins Studio und nahm eine Coverversion davon auf, die mein Song für die Ewigkeit wurde. Diese Interpretation mit dem treibenden Pianointro von Clayton Ivey und ihrem einfühlsamen und signifikanten Timbre erschien im Frühjahr 1968 und war in den Charts nicht ganz so erfolgreich wie die »Ur-Version«, ist dafür aber heute ein echter Klassiker. Mich packte der Song irgendwann in den späten 70er-Jahren und hat mich danach nie wieder losgelassen.

Ich erinnere mich an endlose Nachmittage vor dem Radiorekorder in meinem Kinderzimmer in Hannover-Bothfeld, wo ich »I Say a Little Prayer« auf einer Seite einer »C90« Musikkassette (!) ungefähr fünfzehn Mal hintereinander kopierte um mir das ewige Spulen zu ersparen. Verbinde mit der wundervollen ersten Textzeile »The moment I wake up …« den Jahrhundertsommer 2003 mit langen Roadstertouren durch die ganze Region und endlosen Sommernächten auf der Dachterrasse mit Sauvignon Blanc. Und als ich für eine Weihnachtsfeier 2015 eine Playlist mit meinen zehn besten Songs aller Zeiten zusammenstellen sollte, musste ich zumindest über die Nr. 1 nicht lange nachdenken. Der Rest war aber echte harte Arbeit.

In diesem Lied kommt alles zusammen, was zu einem großen Song gehört. Zwei der besten Komponisten aller Zeiten, erst recht in den 60er-Jahren. Die vom Magazin »Rolling Stone« zur »Besten Sängerin« gekürte Aretha Franklin. Eine unüberhörbar dichte Atmosphäre im Studio mit exzellenten Musikern und den Background-Sängerinnen der »Sweet Inspirations«. Ich freue mich schon heute auf den Tag, an dem mein Sohn dieses Lied entdeckt. Vielleicht fesselt ihn der Soul, das Tempo und der Text auch so wie vor fast 40 Jahren mich.


Facebook
Twitter
Pinterest
Instagram