La Nouva Botteghina. Neuland.

Ein Beitrag zum Themengebiet Essen., geschrieben am 11. September 2019 von Thomas Lasser

»Trau Dich!« ist ein Satz, den ich selten höre, denn ich wage mich regelmäßig auf unbekanntes Terrain.

Wer hat sich schon mal auf Etwas eingelassen, ohne auch nur im Ansatz zu wissen, was auf ihn zukommt? Mache ich ständig. Vor Jahren bin ich mal in ein Konzert des mir bis dahin nicht bekannten Tord Gustaven Trios im Pavillon gegangen. Und machte eine metaphysisch musikalische Erfahrung am Bühnenrand. Ich ging auch schon mal auf ein Blinddate ein. Und fand mich nicht nur mit einer, sondern mit gleich zwei todlangweiligen Frauen in einer schlimmen Bar in der List wieder. Erst neulich hat man mich zum ersten Mal nach Thaiart massiert. Danach konnte ich fast eine Woche lang kaum laufen. 

Und nun? Auf ins La Nouva Botteghina! Ein Restaurant, über das ich, was in Hannover eher selten vorkommt, überhaupt nichts weiß. Als ich jedoch davorstehe, weiß ich aber sofort: nichts für Architekturfreaks. Denn das kleine Häuschen am Rande der Straße war mal ein Kiosk und sieht noch immer so aus. Im Innenraum ein, sagen wir mal, bunter Mix aus allerlei italienischer Deko und alten Fotos, die darauf schließen lassen, wo die Wirtin Maria de Marco ihre Wurzeln hat: auf Sizilien. Und auf dieser Insel habe ich schon immer gut gegessen …

Die Klassiker der italienischen Küche, Antipasti, Pasta und Pizza, sind in einer kleinen Speisekarte zusammengefasst, die Tagesempfehlungen werden auf einer Tafel am Tisch vom wirklich ausgesprochen emsigen Service präsentiert. Und lesen sich alle gut. Wie Ravioli mit Avocadocreme und Gorgonzola. Habe ich in dieser Kombination noch nie gegessen und übertreffen meine Erwartungen bei weitem. Die Pasta ist in jedem Fall handgemacht, die sie krönende Sauce von seltener Raffinesse. Tutto bene, denke ich mir. Weiter geht es mit einem Saltimbocca alla Romana, zwar eigentlich ein römisches Gericht, das aber auch auf diesem sizilianischen Herd ausgezeichnet gelingt. Zartes Kalbsfleisch, kräftiger Paraschinken und frischer Salbei ergeben ein tolles Geschmackserlebnis. Sehr zufrieden lehne ich mich zurück, nehme einen Schluck Wein und frage mich: Gab es etwas auszusetzen?

Jein. Ganz bewusst habe ich bis jetzt das Carpaccio verschwiegen, das nämlich meine Vorspeise war. Es war mir eindeutig zu kalt, frisch aus dem Eisfach, und die vielen Tomatenstücke und Gurkenscheiben darauf hätten noch locker für einen kleinen gemischten Salat ausgereicht. Dann probiere ich beim nächsten Mal doch lieber das Vitello Tonnato, das aber leider bei meinem Besuch nicht vorrätig war. Und da mir mein Führerschein am Herzen liegt, habe ich erst gar nicht nach der Weinkarte gefragt, bin also bei den offenen Hausweinen geblieben. Die waren okay, die sizilianischen Hänge und Keller geben aber sicher noch größeres her. Vielleicht komme ich ja noch mal in Begleitung wieder, die mich dann hoffentlich nach Hause fährt. Dann frage ich danach. Versprochen.

(Dieser Artikel erschien in »Hannover geht aus«, Ausgabe Sommer 2019. Jetzt am Kiosk!)           

Ahoi. Griechenland 2019.

Ein Beitrag zum Themengebiet Reisen., geschrieben am 8. August 2019 von Thomas Lasser

Erste Klasse.

Ein Beitrag zum Themengebiet Leben., geschrieben am 17. Juli 2019 von Thomas Lasser

Kinder, wie die Zeit vergeht, das sieht man nicht sprichwörtlich, sondern tatsächlich am Nachwuchs, den man gefühlt doch erst aus der Klinik geholt hat.

In diesem Sommer ist es so weit: Theo wird aus dem Kindergarten rausgeworfen – ein urkomisches Ritual am Morgen nach dem letzten »Schlaffest« – und fünf Wochen später eingeschult. Einmal Kopfschütteln: Wo ist das Kind, dem wir doch gerade erst das Fahrradfahren beigebracht haben. Zweimal Kopfschütteln: Was fangen wir jetzt mit ihm bis zur Einschulung fünf Wochen lang an – nur ein erster kleiner Vorgeschmack auf all die kommenden Jahre voller Schulferien.

In diesem Jahr lösen wir das Problem dank der sozialen Errungenschaften in unserem Land noch ganz gut. Denn zusätzlich zum bezahlten Mutterschutz – den es im Übrigen neben den USA nur in Lesotho, Liberia, Papua-Neuguinea und Swasiland nicht (!) gibt – haben wir ja Elternzeit und davon zum Glück auch noch etwas übrig. Also nimmt Tanja vier Wochen unbezahlt frei und hofft auf gutes Wetter samt Dauerkarte für die Badeanstalt. Bevor jetzt böse Briefe kommen: Ich habe mich in diesem Jahr im Juli für ein beruflich spannendes Projekt entschieden, das der Familie auch in den nächsten Jahren den Urlaub finanziert. Künstlerpech.

Dafür bin ich dann aber im August dran: Erster Vater-Sohn-Urlaub überhaupt. Ich bin ja echt gespannt. An unseren vergangenen Männer-Wochenende haben wir es uns in Hannover gut gehen lassen. Möglichst lange geschlafen, eine Runde gekuschelt, bei schönem Wetter mal raus, dann Abendessen auf der Couch. Dazwischen mal ins Museum gehen oder eine Jazz-CD hören. Theo mochte das immer sehr. Aber jetzt fahren wir richtig weg. Acht ganze Tage und Nächte lang. Einpacken werde ich unsere bunten neuen Badehosen im Schildkrötendesign. Zuhause lasse ich eine Oma, die schlecht schlafen wird, da sie das Kind schon jetzt im Pool untergehen sieht. Ich hoffe sehr, ich komme gar nicht ins Schwimmen. Gute Reise!

(Dieser Text erschien im Juni 2018 in »Lebe«, dem Mitgliedermagazin von Spar + Bau Hannover.)

Barcelona war auch dabei. Katalonien 2019.

Ein Beitrag zum Themengebiet Reisen., geschrieben am 20. Juni 2019 von Thomas Lasser

Statt nach Marrakesch, jetzt also auf nach …

Ein Beitrag zum Themengebiet Reisen., geschrieben am 27. Mai 2019 von Thomas Lasser

Erziehungssache.

Ein Beitrag zum Themengebiet Leben., geschrieben am 25. April 2019 von Thomas Lasser

In jeder Situation mit Engelszungen auf sein Kind einzugehen ist nicht immer leicht. Auch mir verschlägt es da schon mal die Sprache.

Dass unsere Kinder schon seit Jahren ein Recht auf eine gewaltfreie Erziehung haben, gehört zu den lobenswerten Verdiensten unserer Politik. Dennoch wünschen sich Eltern manchmal heimlich frühere Zeiten zurück. Und damit Methoden, mit denen man seiner erwachsenen Sicht auf die Dinge den Kleinen gegenüber etwas Nachdruck verlieh. Derart ruppigen Maßnahmen führten aber oft dazu, dass die Eltern im Alter in finstere Heime abgeschoben wurden und man sie nicht einmal mehr am Geburtstag besucht. Kurzfristig war diesem handfesten Erziehungsstil allerdings Erfolg beschieden: Das Zimmer war aufgeräumt, das Outfit komplett und die Haare gewaschen. Das muss man einfach so sagen.

Tanja und ich haben uns bei Theo von Anfang an der »Alles-Wird-Schon-Irgendwie-Gut-Werden«-Methode verschrieben. Speziell mir war es wichtig, den Jungen schon früh möglichst erwachsen zu behandeln. Also habe ich mit ihm immer wie mit einem vollwertigen Familienmitglied in vollständigen Sätzen und in normaler Tonlage geredet. Das war ich mir irgendwie selber schuldig, selbst wenn man in den ersten zwei Lebensjahren statt verständlicher Antworten nur merkwürdiges Geplapper bekam.

Mit steigendem Alter kamen dann die Gespräche in Gang. Ich weiß noch genau, wie glücklich ich war, als Theo zum ersten Mal »ich« in einem Satz verwand. Toll, dachte ich, jetzt hat er sich als eigenständige Persönlichkeit begriffen. Das aus »ich« dann aber auch sehr schnell »ich will« wurde, geschenkt. Man selbst will ja auch ständig was. Also besprachen wir jeden Wunsch, rangen um jedes Zugeständnis und fügten uns manchmal auch kraftlos seiner Ausdauer.

Natürlich gibt es auch Fälle, da bleiben wir gnadenlos hart. Ein Cartoon, nachdem schon drei gerade liefen? Auf gar keinen Fall. Ein Eis, obwohl die Schokolade im Gesicht noch flächig verschmiert ist? Ist mit uns nicht zu machen. In solchen Fällen holt Theo dann ab und zu seine verbale Keule raus. »Du. Bist. Blöd!« Und mir, mir fällt dazu dann gar nichts mehr ein. Blöd.

(Dieser Text ist inspiriert von meiner Kolumne in »Lebe«, dem Mitgliedermagazin von Spar + Bau Hannover.) 

So schmeckt mir Frühling …

Ein Beitrag zum Themengebiet Anmerken., Essen., geschrieben am 29. März 2019 von Thomas Lasser

Arbeiten wie die Popstars.

Ein Beitrag zum Themengebiet Arbeiten., geschrieben am 20. Februar 2019 von Thomas Lasser

Es liegt in der Natur der Sache, dass meine Kolleginnen und Kollegen und ich tagtäglich Sachen machen, die dann irgendwo sichtbar werden. Auf der Großfläche an der Ausfallstraße, auf der Seite drei in der Tageszeitung oder auf spiegel.de … toll.

Nach etwas längere Zeit habe ich mal wieder einen Artikel für den Blog der Agentur geschrieben. Und zwar genau über dieses Thema. Und dabei, ich konnte es selbst kaum glauben, einen schönen Bogen zu Quincy Jones geschlagen, den ich seit über 30 Jahren geradezu abgöttisch verehre. Zum Text geht hier entlang, das passende Video läuft hier.

2019. Eine neue Reise … ich bin gespannt.

Ein Beitrag zum Themengebiet Reisen., geschrieben am 17. Januar 2019 von Thomas Lasser

»Ja, Virginia, es gibt einen Weihnachtsmann.«

Ein Beitrag zum Themengebiet Anmerken., Erinnern., Leben., geschrieben am 24. Dezember 2018 von Thomas Lasser

1897 schrieb eine achtjährige der Zeitung New York Sun. Ihr Anliegen war so dringend, dass der Chefredakteur persönlich den Kolumnisten Francis P. Church beauftragte, eine Antwort zu entwerfen – für die Titelseite. Der Text wurde so berühmt, dass er Jahr für Jahr aufs Neue erscheint.

„Ich bin  acht Jahre alt. Einige meiner Freunde sagen, es gibt keinen Weihnachtsmann. Papa sagt, was in der Sun steht, ist immer wahr. Bitte sagen Sie mir: Gibt es einen Weihnachtsmann?“ Virginia O´Hanlon 

„Virginia, Deine kleinen Freunde haben nicht recht. Sie sind angekränkelt vom Skeptizismus eines skeptischen Zeitalters. Sie glauben nur, was sie sehen: Sie glauben, dass es nicht geben kann, was sie mit ihrem kleinen Geist nicht erfassen können. Aller Menschengeist ist klein, Virginia, ob er nun einem Erwachsenen oder einem Kind gehört. Im Weltall verliert er sich wie ein winziges Insekt. Solcher Ameisenverstand reicht nicht aus, die ganze Wahrheit zu erfassen und zu begreifen.

Ja, Virginia, es gibt einen Weihnachtsmann. Es gibt ihn so gewiss wie Liebe und die Großzügigkeit und die Treue. Und Du weißt ja, dass es all das gibt, und deshalb kann unser Leben schön und heizer sein. Wie dunkel wäre die Welt, wenn es keinen Weihnachtsmann gäbe! Sie wäre so dunkel, als gäbe es keine Virginia. Es gäbe keinen Glauben, keine Poesie – gar nichts, was das Leben erst erträglich macht. Ein Flackerrest an sichtbarem Schönen bliebe übrig. Aber das ewige Licht der Kindheit, das die Welt erfüllt, müsste verlöschen.

Es gibt einen Weihnachtsmann, sonst könntest Du auch den Märchen nicht glauben. Gewiss, Du könntest Deinen Papa bitten, er solle an Heiligabend Leute ausschicken, den Weihnachtsmann zu fangen. Und keiner von ihnen bekäme den Weihnachtsmann zu Gesicht – was würde das beweisen? Kein Mensch sieht ihn einfach so. Das beweist gar nichts. Die wichtigsten Dinge bleiben meistens Kindern und Erwachsenen unsichtbar. Die Elfen zum Beispiel, wenn sie auf Mondwiesen tanzen. Trotzdem gibt es sie. All die Wunder zu denken – geschweige denn zu sehen -, das vermag nicht der Klügste auf der Welt.

Was Du auch siehst, Du siehst nie alles. Du kannst ein Kaleidoskop aufbrechen und nach den schönen Farbfiguren suchen. Du wirst einige bunte Scherben finden, nichts weiter. Warum? Weil es einen Schleier gibt, der die wahre Welt verhüllt., einen Schleier, den nicht einmal die größte Gewalt der Welt zerreißen kann. Nur Glaube und Poesie und Liebe können ihn lüften. Dann werden die Schönheit und Herrlichkeit dahinter auf einmal zu erkennen sein. „Ist das auch wahr?“, kannst Du fragen. Virginia, nichts auf der ganzen Welt ist wahrer und nichts beständiger. Der Weihnachtsmann lebt, und ewig wird er leben. Sogar in zehnmal zehntausend Jahren wird er da sein, um Kinder wie Dich und jedes offene Herz mit Freude zu erfüllen.“

Frohe Weihnacht, Virginia! Dein Francis Chrurch